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Polnisches Parlament will totales Abtreibungsverbot
Aus Rendez-vous vom 15.04.2020.
abspielen. Laufzeit 06:17 Minuten.
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Debatte um Abtreibungsverbot Corona macht das Demonstrieren in Polen (fast) unmöglich

  • In seltenen Fällen sind Abtreibungen in Polen erlaubt, etwa wenn der Fötus schwer behindert ist. Das soll neu verboten werden.
  • Beim letzten Versuch scheiterte ein ähnliches Gesetzesvorhaben, hunderttausende polnische Frauen und Männer gingen auf die Strasse.
  • Diesmal sind solche Proteste undenkbar – wegen des Coronavirus.

So sieht der Protest aus, wenn wegen Corona nicht einmal zwei Menschen zusammen auf die Strasse dürfen: Am Dienstag haben dutzende Autos und Velos den wichtigsten Verkehrskreisel in Warschau lahmgelegt. Sie hupten, hielten Plakate mit maskierten Frauengesichtern mit Aufschriften wie «Streik» und «Hölle» an die Scheiben ihrer Fahrzeuge. Alles mit dem nötigen Abstand.

Die Polizei schaute zu, erinnerte aber pausenlos an die Gefahr: «Vorsicht, wir sind mitten in einer Epidemie!» Plakate sieht man auch auf Balkonen und in Supermarktschlangen – mit zwei Metern Abstand zum nächsten Kunden.

Konservative für Gefängnisstrafen

Barbarisch finden die Protestierenden, dass Abtreibungen auch dann verboten sein sollen, wenn der Fötus schwerste Behinderungen hat, nicht lebensfähig ist. Heute darf man in Polen abtreiben, wenn die Schwangere zu sterben droht, nach einer Vergewaltigung und eben, wenn das Kind schwer behindert ist – das ist der mit Abstand häufigste Grund für Abtreibungen im Land.

Warschau
Legende: Das Auto als einzige Möglichkeit, seinen Protest gegen das Gesetz kundzutun. Reuters

Fast eine halbe Million Unterschriften haben Konservative nun gegen die Abtreibung schwerstbehinderter Föten gesammelt. Neu sollen Frauen ins Gefängnis müssen, wenn sie ihr Kind abtreiben.

Keine Unterstützung der Kirche nötig

Das geht auch vielen in der polnischen Kirche zu weit. Doch das Gesetz hat Chancen. Denn die Konservativen haben die Mehrheit im Parlament.

Es ist nicht der erste Anlauf für ein noch strengeres Abtreibungsverbot in Polen. Bis jetzt ist das Parlament allerdings immer zurückgekrebst, weil Hunderttausende demonstrierten – zuletzt mit aufgespannten Regenschirmen. Jetzt, zu Corona-Zeiten, schützen Regenschirme nicht vor neuen Gesetzen.

Rendez-vous, 15.04.2020, 12:30 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Leuenberger  (simbawaniyka)
    Im vorstehenden Artikel werden gewisse Fakten (bewusst?) verdreht: In PL können mind. 100'000 Erwachsene beim Parlament ein Initiativprojekt einbringen, welches von diesem nachher innerhalb einer bestimmten Frist behandelt werden muss. Im vorliegenden Fall muss dies offensichtlich bis Ende Mai erfolgen -Corona hin oder her! Natürlich stehen hinter dieser Initiative Kreise, welche der Kirche und PIS nahe stehen . Dies ist demokratisches Recht. Das Recht auf Abtreibung ist kein Menschenrecht!
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    1. Antwort von Walter Liechti  (Walimann)
      Wenn das angewandte Verhütungsmittel versagt, oder man in einem etwas "kopflosen Moment" einen Fehler macht, sollte dies nicht dazu führen, dass deswegen gezeugte Kinder zwingend geboren werden müssen. Deshalb ist die Möglichkeit der Abtreibung so wichtig.
      Der Sex ist zwar auch zur Fortpflanzung da, aber man soll ihn auch ohne Kinderwunsch in vollen Zügen genießen dürfen.
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    2. Antwort von Fabian Malovini  (MLaw, Rechtsanwalt)
      die frage ist nicht, ob abtreibung ein (menschen)recht ist, sondern ob es das sinnvollerweise sein sollte. dies ist zu bejahen. anderfalls werden frauen gezwungen ihren körper gegen ihren willen einer anderen person zur verfügung zu stellen. u.a. da dies bei organspenden nicht der fall ist, sollte es auch bei schwangeren nicht der fall sein.
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    3. Antwort von SRF News (SRF)
      @Paul Leuenberger
      Besten Dank für Ihren Hinweis. Die Autorin verweist auf den im Artikel verlinkten Radio-Beitrag. Hier werden die von Ihnen kritisierten Fakten erklärt.
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  • Kommentar von Thrum Amstalden  (Thrumugnyr)
    Eine Freundin in Polen erzählte mir erst gestern von einer Bekannten, deren Fötus schon tot war, aber die Ärzte des Gesetzes wegen nicht befugt waren, den Fötus zu entfernen. Sie haben versucht die Geburt einzuleiten, dies hat aber nicht funktioniert. Am Ende hatte ein Arzt mit Gewissen sich erbarmt und ihr geraten, schnellstmöglich eine Abtreibung in Deutschland vorzunehmen. Das hat ihr das Leben gerettet. Das war natürlich vor Corona. Solche Gesetze töten Menschen und retten niemand. Krank.
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    1. Antwort von Halbeisen Charles  (chh)
      Seltsam. Das Gesetz wurde ja noch gar nich verschärft.
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  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Es geht auch um nicht lebensfähige Föten. Es ist ein frauenfeindliches Gesetzt, dass von konsvativen alten Männern gemacht wurde. Frauen mit Gefängnis zu drohen erinnert an die Hexenverfolgung im Mittelalter. Aber da will die PIS ja auch wieder hin. Armes Polen.
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