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Nahostkonflikt: Wie geht es den Menschen auf beiden Seiten?
Aus News Plus vom 19.05.2021.
abspielen. Laufzeit 22:25 Minuten.
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Gewalt in Gaza und Israel Zwischen Angst und Resignation – zwei Erlebnisberichte aus Nahost

Die Hamas schiesst Raketen auf Dörfer und Städte in Israel. Israel schlägt zurück und bombardiert Ziele im Gazastreifen. So geht das seit Tagen. Und wieder sterben auf beiden Seiten Zivilisten. Wie lebt man mit so viel Angst, Hass und Verzweiflung?

SRF hat mit Mohammed, einem palästinensischen Arzt in Gaza, der für «Médecins sans Frontières» tätig ist, telefoniert, und hat dabei einen Eindruck bekommen, wie der Alltag der Menschen dort derzeit aussieht.

Mohammed ist zu Hause an seinem Handy und jederzeit bereit, ins Treppenhaus zu rennen, wo er und seine Familie Schutz suchen, wenn die Bomben fallen. Zweimal während des Gesprächs schlagen hörbar Bomben ein. Er ist sich nicht sicher: «Soll ich jetzt wieder rennen oder nicht?» Luftschutzkeller gibt es keine, obwohl die Hamas viele unterirdische Tunnels gebaut hat.

Mohammed wohnt seit 20 Jahren in Gaza. Seine Kinder haben inzwischen vier Kriege erlebt. «Die Kinder reden nur noch über Raketen. Über die Art der Raketen. Sie wissen alles darüber. Sie sagen: ‹Schau, jetzt ist 12 Uhr, lass uns gehen, jetzt schlagen sie dann gleich wieder ein›», erzählt der Arzt.

Ich möchte, dass meine Kinder ein friedliches und normales Leben führen.
Autor: MohammedArzt in Gaza

«Das ist nicht gut. Es ist nicht das Leben, das ich für meine Kinder will. Ich will, dass sie über anderes nachdenken. Ich möchte, dass sie ein friedliches und normales Leben führen», sagt Mohammed.

Auch seine Frau sage ihm, man könne so nicht leben. «Gestern sassen wir im Treppenhaus, wir fühlten das Feuer, als eine Bombe nicht weit von uns einschlug. Das Haus hüpfte regelrecht auf. Das macht einen verrückt. Was tun? Wohin gehen? Das ist der einzige Ort, an dem wir uns verstecken können.» Man könne nur hoffen, dass nichts passiert, dass das Haus stehenbleibt.

Doch wie lebt man in einer solch andauernden Extremsituation? Mohammeds Motivation, hier für Ärzte ohne Grenzen zu arbeiten, war, dass seine Eltern aus Gaza stammen. Er hatte das Privileg, als einer von wenigen ausserhalb von Gaza zu studieren. «Ich kam zurück, weil ich dachte, ich will etwas für meine Leute tun, das sind meine Wurzeln.» Irgendwie komme es dann schon gut, irgendwann werde es besser, habe er stets gehofft. Doch jetzt zeige sich: «Es wird nicht besser.»

Angst auch in Israel

Von den Raketenangriffen der Hamas am meisten betroffen, und das seit Jahren, sind die Menschen im Süden Israels, die an der Grenze zu Gaza leben, etwa in Aschkelon.

SRF traf Viktoria vor zwei Jahren, auch damals flogen gerade hunderte von Raketen der Hamas in Richtung der Stadt. Die israelische Raketenabwehr Iron Dome fängt die meisten, aber nicht alle ab. Teile fallen auf Wohngebiete.

Gerade ist ein Mann von einer solchen Rakete getötet worden. Er lieferte dem kleinen Restaurant, in dem Viktoria arbeitet, jeden Tag Gemüse und Früchte.

Menschen rennen wegen Bombenalarms zu einem Shelter in Israel
Legende: Luftschutzkeller, die es – anders als in Gaza – in Israel gibt, sollten der Bevölkerung eigentlich Schutz bieten. Doch selbst die öffentlichen sind oft in schlechtem Zustand. Reuters

«Er arbeitete mit uns», sagt Viktoria. Was hatte er mit dem Nahostkonflikt, mit dem Streit zwischen der Hamas und Israel zu tun? «Das ist einfach nur traurig», sagt sie. Und es ist kein Einzelfall: Menschen wie er wohnen oft in ärmlichen Häusern, die über keinen guten Luftschutzkeller verfügen.

Wenn du als Kind schon in dieser Situation bist, ist das eben so.
Autor: ViktoriaKellnerin in Aschkelon

Vor allem die Menschen im Süden Israels leben mit der dauernden Angst vor Raketen. Das zermürbt viele, wie das Beispiel der Kellnerin Viktoria eindrücklich zeigt.

Sie sagt, dass sie schon gar nicht mehr in den Luftschutzkeller renne. Sie habe resigniert. «Wenn du schon als Kind in dieser Situation bist, ist das eben so.» Und: «Wenn heute mein Tag ist zu sterben, dann ist das mein Schicksal.»

SRF 4 News, 20.05.2021, 07:50 Uhr;

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Manu Meier  (Manuel Meier)
    Der Weg zum Frieden ist Frieden. In dieser Region wird dies ein langer und schwieriger weg sein. Jedes mal wenn die Waffen sprechen, wird der Weg wieder auf 0 zurück gesetzt und es beginnt wieder von vorne.
  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Was hat sie RAF mit Dresden zutun? Das war in den 70 zigern in Westdeutschland. Meinen Sie vielleicht die Rote Armee?
    1. Antwort von Hanspeter Schwarb  (Ganymed)
      Mit RAF ist vermutlich die britische Luftwaffe , die Royal Air Force gemeint
    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      RAF war die Rote Armee Fraktion, eine linksextremistische Terrororganisation in der BRD zu der auch z. Bsp. Meinhof und Baader gehörten.
    3. Antwort von Martin Gebauer  (Mäde)
      In meinem unten stehenden Kommentar geht es um die Bombardierung von Dresdens Innenstadt und den gezielten Angriff auf die Zivilbevölkerung durch die Royal Air Force (RAF) und die US Air Force vom 13. bis 15. Februar 1945.
    4. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Verwirrung gelöst. Trotzdem möchte ich sagen, das kommt davon, wenn
      Abkürzungen gebraucht werden mit zwei Bedeutungen Herr Gebauer.
      Die Abkürzung RAF steht seit Baader/ Meinhof dafür und das passte
      nicht zusammen.
  • Kommentar von Martin Gebauer  (Mäde)
    Mein Vater, aufgewachsen in Dresden, musste den Terror der RAF und der USAAF erleben. "Höhepunkt" der Volltreffer des Zuges, in dem er und seine Mutter sich befanden. Die Explosionen der Spreng- und Minenbomben, die abgerissenen Köpfe, Menschen die in Stücke gerissen und von Trümmerteilen durchbohrt werden oder bei lebendigem Leib verbrennen, begleiten ihn noch heute und lassen ihn Nachts keine Ruhe finden. Alles was Krieg produziert, sind Millionen von traumatisierten Seelen.