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Brüchige Feuerpause in Berg-Karabach
Aus Tagesschau vom 10.10.2020.
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Konflikt um Berg-Karabach Brüchige Feuerpause im Südkaukasus

  • Sie gelten als eine der schwersten Gewalteskalationen seit Jahren um die Südkaukasusregion Berg-Karabach: die seit Wochen anhaltenden Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan.
  • Die jüngsten Kämpfe sollen bereits viele Hundert Tote gefordert haben.
  • In der Nacht wurde offenbar nach zähen Verhandlungen eine Waffenruhe verkündet.

An die vereinbarte Feuerpause scheinen sich die Konfliktparteien nicht zu halten. Die armenische Armeesprecherin Schuschan Stepanjan sprach am Samstag kurz nach Beginn der Waffenruhe von aserbaidschanischen Angriffen. Das Nachbarland ignoriere die Vereinbarung, worauf die Streitkräfte von Berg-Karabach mit «angemessenen Massnahmen» reagieren müssten. Aserbaidschans warf Armenien vor, mit Artilleriefeuer auf zahlreiche Orte begonnen zu haben. Alle Angriffe seien abgewendet worden.

Nach tagelangen Gefechten um die Südkaukasusregion Berg-Karabach ist eigentlich seit Samstag 10.00 Uhr MESZ (12.00 Uhr Ortszeit) eine Waffenruhe in Kraft. Die Vereinbarung kam nach stundenlangen Verhandlungen in Moskau unter russischer Vermittlung zustande. Seit dem Ausbruch der Kämpfe zwischen aserbaidschanischen und armenischen Truppen Ende September wurden auf beiden Seiten Hunderte Menschen getötet. Es sind die heftigsten Kämpfe in dem Jahrzehnte alten Konflikt seit der Einigung auf einen Waffenstillstand 1994.

Friedensverhandlungen geplant

Das Schweigen der Waffen solle dazu genutzt werden, um Kriegsgefangene und andere inhaftierte Personen auszutauschen und Körper toter Soldaten in ihre Heimat zu übergeben, heisst es. Weitere Details der Waffenruhe sollten zusätzlich vereinbart werden.

Hintergrund zum Konflikt

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  • In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Berg-Karabach wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe.
  • Aserbaidschan bekommt in dem Konflikt Rückendeckung von der Türkei. Auch ausländische Söldner und Kämpfer dschihadistischer Gruppen aus den Kriegsgebieten in Syrien und Libyen sollen an den Gefechten beteiligt sein. Eindeutige Beweise gibt es bislang nicht.
  • Russland hat zu beiden Ex-Sowjetrepubliken diplomatische und wirtschaftliche Verbindungen. Jene mit Armenien sind jedoch intensiver. Dort hat Russland auch eine Militärbasis.

Im Anschluss sollen grundlegende Friedensverhandlungen unter Führung der sogenannten Minsk-Gruppe geführt werden, eine Einrichtung im Rahmen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Diese Gruppe wird von Russland, den USA und Frankreich angeführt, die in dem Konflikt vermitteln.

Hunderte Tote

Insgesamt wurden seit Beginn der Gefechte rund 320 armenische Soldaten in Berg-Karabach getötet. Aserbaidschan hat bislang keine Angaben zu eigenen Verlusten gemacht, spricht aber von rund 30 toten Zivilisten. Es gibt tausende Flüchtlinge in der Unruheregion.

SRF 4 News, 10.10.20, 02:00 Uhr;

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Osman Erdogan  (Divide and Rule)
    @Thomas Leu
    Armenien hat aber nicht nur Berg-Karabach sondern umliegende 7Kantone Aserbaidschans besetzt...
    1. Antwort von Marco Hunziker  (erlagfr)
      Armenien hält Berg-Karabach nicht besetzt, die Bevölkerung hat sich in einem Referendum für die Unabhängigkeit entschieden. Dies zu einem Zeitpunkt, wo es den Staat Azerbaidschan noch gar nicht gab. Sobald AZ die Unabhängigkeit Berg-Karabachs anerkennt (inkl. umfassenden Sicherheitszusicherungen) kann über eine Rückgabe der besetzten umliegenden Gebieten diskutiert werden. Die azerbaidschanischen Binnenvertriebenen müssen dann natürlich nach Karabach und Umgebung zurückkehren können.
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Man kann jetzt nur noch hoffen, dass die willkürlich von der Sowjetunion unter Stalin gezogenen Grenzen den ethnischen und historischen Gegebenheiten angepasst und völkerrechtlich abgesegnet werden. Die Türkei, welche mit dem Völkermord an den Armeniern historisch belastet ist und Erdogans persönliche Grossmachtziele verfolgt, soll sich da bitte raushalten, sonst müsste man ja die Grenzen in der Osttürkei auch anpassen. Analoges hat die UNO ja bereits im Kosovo und Südsudan getan. Es geht also.
    1. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      Dann hat ja Putin richtig gehandelt, als er die mehrheitlich von Russen bewohnte Krim nach Russland holte? Und wie war das noch mit dem Sudetenland und Elsass? So einfach wie Sie sich das vorstellen geht das leider nicht.
    2. Antwort von Frank Grämiger  (Forumator)
      Wird nicht passieren. Ist in Afrika nicht passiert, ist im (Rest des) Orient nicht passiert. Warum hier?
    3. Antwort von Osman Erdogan  (Divide and Rule)
      Die in den Elfenbeintürmen glauben wie zu Kolonialzeiten Grenzen nach Belieben ziehen zu können. Es klappt nur noch in wenigen Ländern, da haben Sie Recht!
    4. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @Christoph Stadler: Es gibt nie einfache Lösungen. Aber der Status Quo oder gar die Staatsgrenzen, welche die Sowjetunion als Verwaltungsgrenzen willkürlich gezogen hat, sind noch schlechter. Damit würden fast 150'000 Armenier erneut aus der Heimat ihrer Vorfahren vertrieben und zu Flüchtlingen. Ich würde das auch nicht mit der Krim vergleichen. Russland ist eine Grossmacht und weiss sich selber zu helfen. Die europäischen Regionen sind heute in der EU vereint. Die Sowjetunion gibt's nicht mehr.
    5. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Frank Grämiger: Ich befürchte auch, dass Sie Recht haben. Deshalb habe ich geschrieben "hoffen". Als kleiner Staat ist man am Ende immer alleine. Wenigstens kann sich Armenien aus eigener Kraft wehren, so dass es sich nicht gleich alles gefallen lassen muss.
    6. Antwort von Osman Erdogan  (Divide and Rule)
      @Thomas Leu
      Es sind über 800Tausend Aserbaidschaner seit über 25Jahren Binnenflüchtlinge, weil Armenien 20% Aserbaidschans besetzt hält.
    7. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Osman Erdogan: Das ist die Folge der Willkürgrenzen der Sowjetunion. Fläche Armenien: 29.800 km², Fläche Aserbaidschan: 86.600 km², Fläche Berg-Karabach: 4.400 km². 4.400 km² ÷ 86.600 km² × 100 = 5.1 %. Wie kommen Sie auf 20%?
    8. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      @Leu: Falsch gerechnet: Wie Herr Erdogan oben bereits erwähnt hat besetzt Armenien nicht nur das Gebiet Bergkarabach, sondern auch 7 umliegende aserbaidschanische Bezirke. Das ergibt dann etwa knapp 20% besetztes aserbeidschanisches Gebiet - sehr schön zu lesen auf Wikipedia.