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Legende: Audio Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer: Sprungbrett oder Schleudersitz? abspielen. Laufzeit 03:03 Minuten.
Aus HeuteMorgen vom 17.07.2019.
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Kramp-Karrenbauers neues Amt «Das Verteidigungsministerium gilt als ziemlicher Schleudersitz»

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer wird die neue Verteidigungsministerin im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das bestätigte der Regierungssprecher am Abend in Berlin. Sie tritt ihr neues Amt sofort an: Heute Vormittag wird sie im Bundespräsidialamt in Berlin ihre Ernennungsurkunde erhalten. Und das, obwohl sie noch bis vor kurzem beteuerte, sie wolle sich ganz auf den Parteivorsitz konzentrieren. Anja Günther von der ARD erklärt die Gründe für den Meinungsumschwung.

Anja Günther

Anja Günther

Journalistin

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Anja Günther ist als Hörfunkkorrespondentin des NDR im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin tätig.

SRF News: Eigentlich wollte sie gar keinen Ministerposten. Weshalb hat Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Meinung geändert?

Anja Günther: Möglicherweise sieht sie hier eine Chance, sich auf diesem Bundesministerposten zu profilieren und zu zeigen, dass sie auch als Ministerin kompetent sein kann. Sie hat als CDU-Chefin zuletzt relativ glücklos agiert. Denken wir zum Beispiel an ihre Reaktion auf das Rezo-Video, ihre verunglückten Witze beim Karneval oder auch das schlechte CDU-Ergebnis bei der Europawahl. Das alles hat ihr nicht genutzt; ihre Umfragewerte sind gesunken. Da wird sie sich gedacht haben, wenn ich jetzt an einer entscheidenden Stelle im Bundesverteidigungsministerium sitze, kann ich mehr entscheiden, mehr leisten und mich dadurch mehr profilieren.

18 Verteidigungsminister in 55 Jahren

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  • Heinrich Krone (CDU)
    13. Juli 1964 - 1. Dezember 1966
  • Theodor Blank (CDU)
    7. Juni 1955 - 16. Oktober 1956
  • Franz Josef Strauss (CSU)
    16. Oktober 1956 - 9. Januar 1963
  • Kai-Uwe von Hassel (CDU)
    9. Januar 1963 - 1. Dezember 1966
  • Gerhard Schröder (CDU)
    1. Dezember 1966 - 21. Oktober 1969
  • Helmut Schmidt (SPD)
    22. Oktober 1969 - 7. Juli 1972
  • Georg Leber (SPD)
    7. Juli 1972 - 16. Februar 1978
  • Hans Apel (SPD)
    17. Februar 1978 - 1. Oktober 1982
  • Manfred Wörner (CDU)
    4. Oktober 1982 - 18. Mai 1988
  • Rupert Scholz (CDU)
    18. Mai 1988 - 21. April 1989
  • Gerhard Stoltenberg (CDU)
    21. April 1989 - 31. März 1992
  • Volker Rühe (CDU)
    1. April 1992 - 26. Oktober 1998
  • Rudolf Scharping (SPD)
    27. Oktober 1998 - 19. Juli 2002
  • Peter Struck (SPD)
    19. Juli 2002 - 22. November 2005
  • Franz Josef Jung (CDU)
    22. November 2005 - 28. Oktober 2009
  • Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)
    28. Oktober 2009 - 3. März 2011
  • Thomas de Maizière (CDU)
    3. März 2011 - 17. Dezember 2013
  • Ursula von der Leyen (CDU)
    17. Dezember 2013 - heute

Das Amt der Verteidigungsministerin gilt als eines der schwierigsten Ämter in der deutschen Politik. Weshalb will Annegret Kramp-Karrenbauer ausgerechnet diesen Posten haben?

Für Kramp-Karrenbauer ist das natürlich auch eine Möglichkeit, als Politikerin deutlich sichtbarer zu werden. Sie ist zwar CDU-Chefin, aber sie sitzt nicht im Bundestag, sie hat dort kein Mandat, und sie sitzt bisher auch nicht dort, wo die wichtigen Entscheidungen fallen – nämlich im Bundeskabinett, in der Bundesregierung. Und deswegen ist dieser Verteidigungsministerposten für sie ein Grund zu sagen: Ich gehe dahin, wo es wichtig wird. Ich bin die Nummer 1 in der CDU, also gehöre ich auch ins Bundeskabinett. Ein weiterer Grund könnte auch sein, dass Kramp-Karrenbauer eine Vertraute von Angela Merkel ist, was sie sicherlich angespornt hat, Ja zu sagen zu diesem Posten.

Könnte dieser Posten ein Sprungbrett sein für sie?

Das Verteidigungsministerium kann ein Sprungbrett sein, weil es ein sehr zentrales Ministerium ist. Es gibt viel zu tun. Und wenn man die ganzen dort anstehenden Aufgaben gut lösen würde, dann könnte das für Kramp-Karrenbauer positiv sein – wenn man zum Beispiel an ihre Ambitionen denkt, die nächste Kanzlerkandidatin der CDU zu werden.

Das ist schon ein ziemliches Risiko. Das kann gut gehen, aber es kann eben auch ein Schleudersitz sein.

Allerdings gilt das Ministerium auch als ziemlicher Schleudersitz. Es gab sehr viele glücklose Vorgänger von Kramp-Karrenbauer, weil man in diesem Ministerium vor allen Dingen erst einmal Mängel verwalten muss. Das ist schon ein ziemliches Risiko. Das kann gut gehen, aber es kann eben auch ein Schleudersitz sein.

Wird sie Ministeramt und Parteivorsitz unter einen Hut bringen können? Oder kommt es möglicherweise zu einem Wechsel an der Spitze der CDU?

Sie hat ja in der Tat immer gesagt, es gebe so viel zu tun in der CDU, dass sie als Bundesvorsitzende völlig ausgelastet sei und nicht noch nebenher etwas anderes machen könne. Es wird sicherlich schwierig, beides miteinander zu verbinden. Aber ich denke, sie wird es erst einmal versuchen. Denn mittelfristig hat niemand – vor allen Dingen nicht die Kanzlerin – ein Interesse daran, dass es einen erneuten Wechsel an der CDU-Spitze geben wird.

Das Gespräch führte Teresa Delgado.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Das Verteidigungsministerium gilt als ziemlicher Schleudersitz: das wissen beide KK und
    auch Merkel, aber der Posten lohnt sich, bringt er doch KK näher an ihre Wunschdestination als Bundeskanzlerin. Ganz tolle Schachzüge der drei Frauen. Erst wird
    Von der Leyen aus dem Hut gezaubert und jetzt die nächste engste Vertraute von Merkel.
    Passt eigentlich im Moment sehr gut, nur die besten Schachzüge können im Schachmatt
    Enden. Abwarten was aus dem Dreierclub so wird.
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    1. Antwort von M. Fretz  (MFretz)
      Gibts auch was ausser Häme? AKK wurde zur Vorsitzenden der CDU gewählt. Dass diese ein Amt in der Regierung hat ist folgerichtig.
      Von der Leyen ist der Kompromiss in der EU weil man sich auf andere nicht einigen konnte
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  • Kommentar von Klaus Kreuter  (KallePalle)
    Im sicheren Wissen dass die Merkel-CDU keinen Kanzler mehr stellen wird, verteilt man nun noch ganz schnell Posten und Pöstchen damit die Pension auch stimmt. Die deutsche Bundeswehr ist ein bedauerlicher Haufen, geschwächt durch ständige Sparmassnahmen. Das ist die Merkel`sche Hinterlassenschaft wenn die dann Ende 2019 weg ist.
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    1. Antwort von Jürg Brauchli  (Rondra)
      Ganz ehrlich. Ich bin froh, hat die Deutsche Armee keine Kraft mehr.
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  • Kommentar von Jürg Brauchli  (Rondra)
    Dafür, dass diese Frau keinen Ministerposten wollte, hat sie nun aber ziemlich fix zugeschlagen. Aber eben, was kümmert mich als Politiker mein Gerede von gestern...
    Und was sie mit der deutschen Armee macht interessiert hierzulande kaum einen.
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