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Militärregierung in Myanmar Ikone Aung San Suu Kyi im Hausarrest

Die Friedensnobelpreisträgerin und entmachtete Regierungschefin Myanmars ist offenbar nicht mehr im Gefängnis.

Was ist passiert? Die entmachtete Regierungspräsidentin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ist gemäss Medienberichten vom Gefängnis in Hausarrest verlegt worden. «Im Staatsfernsehen wurde ein Bild gezeigt, auf dem Aung San Suu Kyi mit zwei Männern in Militäruniform zu sehen ist. Wann und wo das Foto gemacht wurde, ist nicht klar», sagt SRF Südostasien-Korrespondent Martin Aldrovandi.

Eine Frau und zwei Männer sitzen in einem Raum.
Legende: Aung San Suu Kyi auf einer undatierten Aufnahme, die am 30. April 2026 veröffentlicht wurde. Keystone/Myanmar Military Information Handout

Bekam sie eine Amnestie? Nein. Kürzlich war bekannt geworden, dass Präsident Min Aung Hlaing für 4000 Gefangene eine Amnestie beschlossen hatte. In diesem Zusammenhang wurde auch bekannt, dass die 27-jährige Haftstrafe von Aung San Suu Kyi um einen Sechstel verkürzt worden ist. Nun wurde sie, laut der Regierung, vom Gefängnis in Hausarrest verlegt.

Wer ist Aung San Suu Kyi? Die 1945 geborene Politikerin setzt sich seit den späten 80er-Jahren gewaltlos für Demokratie in Myanmar ein. 1991 erhielt Aung San Suu Kyi den Friedensnobelpreis. 2015 gewann sie die Präsidentschaftswahlen, durfte aber nicht selbst als Präsidentin amten, da sie mit einem Briten verheiratet war. Als de-facto-Regierungschefin konnte sich das Land öffnen und wurde demokratischer. Auch 2020 gewann ihre Partei die Wahlen, danach kam es zum Militärputsch.

Was sehen viele Menschen in Myanmar in ihr? «Für viele ist immer noch ein Symbol der Freiheit, aber sie hat de facto keine Macht mehr», so Martin Aldrovandi. Vielen Meinschen seien nach dem Militärputsch auf die Strasse gegangen und hätten gegen die Junta demonstriert. Als dies nichts gebracht habe, hätten sich wiederum viele dem bewaffneten Wiederstand angeschlossen und gegen das Regime gekämpft, so der Korrespondent. «Viele haben auch keine Perspektiven mehr gesehen und haben ihr Land verlassen.» Ihm fällt auf: Viele Menschen in Myanmar haben sich ein Bild von Aung San Suu Kyi tätowieren lassen.

Wieso veröffentlicht die Militärjunta nach fünf Jahren ein Bild von ihr? «Es gibt grossen internationalen Druck. Die Junta präsentiert sich nach den letzten Wahlen als Zivilregierung», sagt der SRF-Korrespondent. Es waren Wahlen, die von unabhängigen Beobachtenden weder als frei noch als fair bezeichent werden. «Min Aung Hlaing versucht nun, sein Image auch bei der Bevölkerung aufzupolieren, allerdings denke ich nicht, dass das funktioniert.»

Was ist seit dem Putsch passiert? «Seit damals sind grosse Teile des Landes im Bürgerkrieg und im Chaos versunken. Millionen von Menschen sind auf der Flucht. Vielerorts ist die Versorgungslage immer noch sehr schlecht», so Aldrovandi. Der Wirtschaft gehe auch nicht gut und mit der Energiekrise habe sich all das noch verschärft.

Warum wurde Aung San Suu Kyi international kritisiert? Neben dem Friedensnobelpreis erhielt sie zahlreiche weitere Preise und Ehrungen. Einige wurden ihr aufgrund ihrer umstrittenen Haltung gegenüber der ethnischen Minderheit der Rohyingas aberkannt.

SRF 4 News, 1.05.2026, 6:10 Uhr ; 

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