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Credit Suisse und der Kreditskandal mit Mosambik
Aus Rendez-vous vom 09.10.2019.
abspielen. Laufzeit 08:10 Minuten.
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Nach Skandal mit Credit Suisse Die «geheimen Schulden» von Mosambik

Zwei Wirbelstürme und die Folgen aus dem CS-Korruptionsskandal: Die Ärmsten des 30-Millionen-Volkes leiden am meisten.

Es ist der folgenreichste Kreditskandal in der Geschichte von Mosambik: Vor drei Jahren wurde bekannt, dass die Regierung illegale Kredite im Wert von zwei Milliarden Dollar aufgenommen hatte – ein Grossteil war von der Credit Suisse. Das Geld verschwand in den Taschen von Politikern und Bankern. Nach zwei Wirbelstürmen im letzten halben Jahr braucht Mosambik Geld, um das Land wieder aufzubauen und um die Not der Menschen zu lindern.

Flávio Silvestre ist sehr wütend: «Von diesem Geld – von diesen zwei Milliarden Dollar – hat das mosambikanische Volk gar nichts gehabt. Keine Schulen, keine Strassen. Es diente einzig unseren Politikern. Und wir müssen nun die Konsequenzen ausbaden.»

Der 31-Jährige weiss wovon er spricht. Als die internationale Gemeinschaft infolge des Kreditskandals Mosambik die Gelder strich, musste das Land die Zahlungsunfähigkeit erklären. Mosambik stürzte in eine bis heute andauernde Wirtschaftskrise.

Flávio Silvestre verlor seinen Job. Sein Unternehmen ist eines von fast 3000, das wegen der Wirtschaftskrise Konkurs ging. «Alles wurde extrem teuer. Das Benzin, das Essen, Reis, Öl, die Ausgaben für die Bildung meiner zwei Kinder.» Zwischenzeitlich stieg die Inflationsrate auf über 25 Prozent.

«Dívidas ocultas» – ein heikles Thema

Flávio Silvestre sitzt auf einem Spielplatz in Mosambiks Hauptstadt Maputo. Gemeinsam mit seinem Cousin, dem Sekundarlehrer Isildo Velez. Die beiden waren nur hier bereit über die «Dívidas ocultas» zu sprechen, die geheimen Schulden von Mosambik, wie hier der Kreditskandal und seine Folgen genannt werden.

Denn über die «Dívidas ocultas» zu sprechen, ist in Mosambik heikel. Vor allem für Staatsangestellte wie Lehrer Isildo Velez. «Viele meiner Lehrerkollegen arbeiten für den Geheimdienst. Wenn ich mich mit einer ausländischen Journalistin treffe, kann ich meinen Job verlieren. Oder versetzt werden. Unter dem Vorwurf, schlecht über den Staat gesprochen zu haben.»

Frelimo beherrscht das tägliche Leben

In Mosambik ist seit 44 Jahren dieselbe Partei an der Macht, die Frente de Libertação de Moçambique (FRELIMO). Bei den Wahlen nächste Woche will sie erneut gewinnen. Die Partei kontrolliert jegliche Information im Land, Mosambikanerinnen und Mosambikaner müssen in der Öffentlichkeit jedes Wort abwägen.

Als Staatsangestellter hat Isildo Velez gesehen, welche Konsequenzen die Budgetkürzungen im Bildungsbereich hatten. «Aber gehen Sie mal aus Maputo heraus. Das ist nochmals eine ganz andere Nummer», meint der Lehrer.

Die wahren Opfer leben ausserhalb der Hauptstadt

Zum Beispiel mehr als 1000 Kilometer entfernt, bei Rosa Maputere. Die schwangere 23-Jährige steht barfuss am Strassenrand und verkauft Holzkohle. Sie hat noch nie von Mosambiks Schulden gehört. Rosa Maputere kann nicht lesen und schreiben, wie fast die Hälfte aller Mosambikaner. Wenn im Bildungssektor weiterhin gespart wird, dann wird es ihrem noch ungeborenen Kind nicht anders gehen.

Rosa Maputere hat noch nie von Mosambiks Schulden gehört.
Legende: Leben am Rand: Rosa Maputere (l.) hat noch nie von Mosambiks Schulden gehört. SRF/Anna Lemmenmeier

Vor einem halben Jahr fegten zwei Zyklone über Mosambik. Wie Hunderttausende andere Mosambikaner verlor auch Rosa Maputere ihr Haus, alles was sie besass und ihre Ernte. Der Staat hat kein Geld, um sie zu unterstützen. Und wenn Rosa Maputere krank ist? «Uh, das Spital ist sehr weit weg. Wir müssen auf ein Fahrrad-Taxi warten. Manchmal bis zu sieben Stunden.»

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Udo Gerschler  (UG)
    Typische Entwicklung eines Landes dessen Führung durch die Kaderschmieden des Sozialismus ging.Die Menschen müssen das leider ausbaden.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    2) Die Grossbanken sind nicht unsere Banken. Die operieren längstens nach angelsächsischem Muster und haben in Kultur und Verhalten längstens die Legitimation des Schweizer Volkes verloren. Apropos, Kultur: An der Spitze der einen Grossbank hockt einer, der das System afrikanischer Despoten aber sehr gut kennt, in so einem Regime wurde er gross. Aber hallo...
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Seit 44 Jahren die selbe Partei an der Macht. Während dieser Zeit schritt die Alphabetisierung der Bevölkerung keinen Schritt voran. Das Muster der Herrscher ist immer das Gleiche. Und in dieser Kommentarkommune hat irgendjemand noch ernsthaft die Überzeugung, dass die Schuld allein bei den CH-Banken liegt? Na DAS nenne ich mal Heuchlerei. 2 ) folgt.
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