Israel hat nach eigenen Angaben letzte Nacht erneut Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran angegriffen. Dabei soll es sich um die wichtigste iranische Produktionsstätte für Sprengsätze handeln. Auch Raketen und Abschussrampen sollen beschossen worden sein. Der Iran hat die Angriffe teilweise bestätigt. Unter anderem sei ein Atomkraftwerk am Persischen Golf beschossen worden, heisst es ebenfalls aus dem Iran. US-Präsident Donald Trump sagt, dass im Hintergrund Verhandlungen laufen würden. SRF-Auslandredaktor Philipp Scholkmann sagt, was über diplomatische Bemühungen bekannt ist.
Was weiss man über die offenbar laufenden Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA?
Im Grunde weiss man nur, was Trump selbst darüber erzählt. Er zeigte sich davon überzeugt, dass die iranische Führung «dringend» ein Ende des Krieges wolle. Der Iran habe ein «sehr grosses Geschenk» auf den Tisch gelegt, sagte der US-Präsident ausserdem. Es gehe dabei um Öl und Gas. Genauer wurde Trump nicht. Offen ist weiterhin, mit wem überhaupt verhandelt wird oder werden soll. Spekuliert wurde, dass es sich um Parlamentspräsident Bagher Ghalibaf handeln könnte. Nach der Tötung von Langzeitherrscher Ali Chamenei und Sicherheitschef Laridschani ist Ghalibaf eine der erfahrensten Figuren im Teheraner Machtapparat. Doch welche Autorität er hätte, um über Krieg und Frieden zu beschliessen, ist unklar.
Was steht im 15-Punkte-Plan, den die USA gemäss Medienberichten zur Beendigung des Krieges vorgelegt haben?
Auch darüber wird spekuliert. Fünf der 15 Punkte bezögen sich auf das iranische Nuklearprogramm, heisst es in Medienberichten. Das war das Kriegsziel, das Trump am konsequentesten genannt hatte: dass der Iran keine Atombombe bauen dürfe. Andere Forderungen waren ein Ende des iranischen Raketenprogramms und die Zerschlagung der sogenannten Achse des Widerstands, also des Netzes von Milizen, die vom Iran unterstützt werden. Auch diese dürften in dem Plan eine Rolle spielen. Offenbar reagierte der Iran mit Gegenforderungen.
Streitet die iranische Führung nach wie vor ab, dass sie mit den USA verhandelt?
Offiziell bleibt es bei dieser Linie. Ein Sprecher des Militärkommandos in Teheran bekräftigte, es werde keinen «Deal» geben. Ein Sprecher des Aussenministeriums sagte, man habe sehr schlechte Erfahrungen mit der amerikanischen Diplomatie gemacht. Parlamentspräsident Bagher Ghalibaf hatte schon gestern ausdrücklich direkte Gespräche dementiert. Aussenminister Abbas Araghtschi liess mitteilen, man rede mit «verschiedenen Seiten» über den Krieg. Pakistan, die Türkei, Ägypten und Oman versuchen offenbar, hinter den Kulissen einen Dialog einzufädeln. Pakistan scheint sich da besonders hervorgetan zu haben, Islamabad wird sogar als möglicher Verhandlungsort genannt. Das ist aber unbestätigt. Selbst aus Washington kommen widersprüchliche Signale: Während Trump sagt, es werde bereits verhandelt, lässt das Pentagon durchsickern, dass weitere Truppen in die Region entsandt würden, darunter Luftlandetruppen einer Spezialeinheit, die dazu ausgebildet sind, direkt hinter feindlichen Linien zu operieren.