Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Krieg im Nahen Osten Support für den Krieg: Israeli wollen Kriegsziele erreichen

In Israel stösst die Waffenruhe mit dem Iran auf wenig Begeisterung, solange die Kriegsziele nicht erreicht sind.

In den letzten fünf Wochen hat Diva Migdal keine Nacht durchgeschlafen. Die dreifache Mutter arbeitet in einer Zahnarztpraxis und wohnt in Ranana, unweit von Tel Aviv. Die Raketenangriffe des Iran machten ihr Angst – gleichzeitig sei sie über den Krieg erleichtert.

Es ist doch Wahnsinn, dass wir alle fünf Jahre angegriffen werden. Wer kann so leben?
Autor: Diva Migdal Israeli, lebt unweit von Tel Aviv

«Wir wussten, dass etwas passieren würde, wir hatten darauf gewartet. In meinem Umfeld waren viele sehr frustriert, als der letztjährige Krieg gegen den Iran nach zwölf Tagen aufhörte, obwohl die Gefahr, die vom Iran ausgeht, noch gar nicht gebannt war», sagt sie in einem Video-Call am Dienstag.

Israel hat Kriegsziele nicht erreicht

Box aufklappen Box zuklappen
Profilansicht Netanjahus.
Legende: Reuters/Amir Cohen

Israel hat keines der versprochenen Kriegsziele erreicht: Der Iran verfügt noch immer über hochangereichertes Uran. Die Islamische Republik hat zwar eine neue Führungsriege, doch einen Regimewechsel kann man das nicht nennen. Ausserdem hat der Iran gezeigt, dass er noch immer in der Lage ist, Israel und die Golfstaaten mit Raketen und Drohnen anzugreifen, trotz der militärischen Übermacht der Gegner. Das Arsenal wurde durch die Angriffe zwar verringert, aber nicht zerstört.

Für die Regierung von Premierminister Netanjahu wird es schwierig, die 14-tägige Waffenruhe als Erfolg zu präsentieren. Und sollte US-Präsident Trump zum Schluss kommen, dass ein dauerhafter Waffenstillstand mit dem Iran für ihn günstiger ist als eine Fortsetzung des Kriegs, wird sich Netanjahu dem wohl fügen müssen. Israel steht strategisch heute schlechter da als vor Kriegsbeginn am 28. Februar. (Anna Trechsel)

Diesen Krieg auszuhalten, mache nur Sinn, wenn das iranische Regime, dessen Staatsdoktrin die Zerstörung Israels sei, entfernt werde. «Die meisten Israeli wollen diese unerträgliche Situation grundlegend verändern. Es ist doch Wahnsinn, dass wir alle fünf Jahre angegriffen werden. Wer kann so leben?»

Der Iran muss gestoppt werden

In diesem Krieg haben die iranischen Streitkräfte Streubomben eingesetzt. Diese verteilen viele Sprengsätze über etliche Kilometer und sind für die Zivilbevölkerung besonders gefährlich.

Guido Guth, ein Schweizer Jude, der seit 35 Jahren in Israel lebt, sagt: «Heute sind es Streubomben, die in den Sprengköpfen drinsitzen, morgen sind es Atombomben.»

Der Krieg war notwendig, um einer Katastrophe für Israel zuvorzukommen.
Autor: Guido Guth Jude und Schweizer, lebt seit 35 Jahren in Israel

Für den mehrfachen Vater und Grossvater ist klar: Ein Staat, der Israels Vernichtung propagiere und eine Atommacht werden wolle, müsse gestoppt werden. Politisch stehe er nicht auf der Seite des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu. Aber dass man in der Schweiz lieber Israel als dem Iran Völkerrechtsverletzungen vorwerfe, leuchte ihm nicht ein.

Schliesslich habe der Iran ein riesiges Waffenarsenal aufgebaut, um Israel zu vernichten. «Dieser Krieg war für mich – bei allem Bedauern über die schlimmen Folgen – notwendig, um einer Katastrophe für Israel zuvorzukommen und die Welt vor einer neuen, gefährlichen Atommacht zu bewahren», sagt Guth.

Über die Einigung auf eine Waffenruhe ist er dennoch erleichtert. Er hofft, dass ein neues Regime in Teheran auf Frieden mit Israel setzt.

Sehnsucht nach einem ganz normalen Leben

Für Nissim Ozer wiederum ist der Krieg erst fertig, wenn der Iran sein Raketen- und Atomprogramm aufgibt. Für den verheirateten jüdisch-israelischen Vater ist klar: Der Iran und seine Verbündeten verstehen nur die Sprache der Gewalt. «Trump legte seine Pistole auf den Tisch und sagte: ‹Deal oder Krieg›.»

Mein Traum ist es, einmal nach Beirut zu fahren und dort einen Kaffee trinken.
Autor: Diva Migdal Israeli, lebt unweit von Tel Aviv

Ozer kümmert es nicht, was Europa über Israels Kriege denkt. Israel müsse für seine Sicherheit sorgen. Diva Migdal hingegen schmerzt es, wenn ihr Familienmitglieder im Ausland den hohen Blutzoll der Kriege Israels vorhalten. Sie beteuert, dass sie nur Frieden wolle.

«Mein Traum ist es, einmal nach Beirut zu fahren und dort einen Kaffee trinken. Ein Traum, ich weiss. Aber wenn das nicht möglich ist, möchte ich, dass sie Israel ein Existenzrecht zugestehen und uns nicht mehr mit Raketen beschiessen.»

Gleichzeitig sagt sie: Dass diese Kriege noch mehr Hass auf Israel hervorbrächten, mache ihr Angst. Sie wolle doch eigentlich nur ein ganz normales Leben führen.

Echo der Zeit, 08.04.2026, 18:00 Uhr; noes

Meistgelesene Artikel