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Kurdische Autonomiegelüste Die USA und ihr Verhältnis zu den Kurden – es ist kompliziert

Wieder scheinen die USA ethnische Minderheiten zu mobilisieren, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Doch was bringt das?

Die kurdische Politlandschaft könnte komplizierter kaum sein: In jedem der vier Länder, in denen kurdische Minderheiten existieren, gibt es mehrere Parteien. Für den Iran fallen zwei grössere auf, die Demokratische Partei Kurdistans Iran und die Pjak (Paschak). Dazu kommen eine nationalistische, eine islamische, und eine linke Gruppe, letztere zerfällt wiederum in diverse Splittergrüppchen. 

Sie alle operieren ausserhalb des Irans im Exil und sind nur leicht bewaffnet. Ganz anders als die Peschmerga, die militärischen Verbände des irakischen Kurdengebiets, dieser einzigen anerkannten kurdischen Autonomiezone. «Die Peschmerga im irakischen Kurdengebiet sind erst stark geworden durch die Gelegenheit, die sie 1991 bekommen haben, als sie dieses Gebiet sozusagen mithilfe der Zivilbevölkerung befreien konnten», sagt Thomas Schmidinger, Experte für Kurdistan und Dschihadismus.

Zwei bis auf die Knochen bewaffnte Kämpfer mit vermummten Gesichtern, dazwischen eine grosse Fahne
Legende: Iranische Kurdenkämpfer in einer Übung in der Nähe von Erbil, Irak. Reuters/Thaier Al-Sudani/File Photo

Schon damals, 1991, spielten die USA eine Schlüsselrolle, sie errichteten eine Flugverbotszone über dem kurdischen Siedlungsgebiet. Das ermöglichte den Peschmerga den Aufstand gegen die Zentralmacht im Irak.

Wiederholt sich die Geschichte?

Angesichts der aktuellen Lage stellt sich die Frage, ob sich nun die Geschichte unter anderen Vorzeichen jenseits der Grenze im Iran wiederholt, ob die israelischen und amerikanischen Angreifer den Kurden gerade das Terrain frei für einen Einmarsch frei schiessen.

Iran ist ein Vielvölkerstaat

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Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung im Iran sind Perser und Perserinnen. Die andere Hälfte besteht aus ethnischen Minderheiten. Die Kurden machen in diesem fragilen Vielvölkergebilde zehn Prozent aus. Der ethnische Bogen Irans reicht von Arabern über Belutschen bis zu Azeris und Gilakern. Auch die Weltanschauungen und politischen Überzeugungen gehen weit auseinander.

Es gab die Meldungen, dass der Nordwesten des Irans heftig bombardiert werde. Experte Schmidinger sagt dazu: «Es hat definitiv in dieser Gegend sehr viele Angriffe auf militärische Einrichtungen gegeben. Grundsätzlich ist es sicher so, dass hier versucht worden ist, einen Angriff zu ermöglichen. Das heisst aber noch lange nicht, dass die kurdischen Parteien das tatsächlich tun.»

So verhielten sich die USA gegenüber den syrischen Kurden

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Auch in Syrien setzten die USA auf kurdische Verbände. Sie wurden mobilisiert im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz IS, und ebenso, um Landstriche weit über das kurdische Siedlungsgebiet hinaus unter amerikanischem Einfluss zu behalten. Inklusive Ölfelder.

Als Präsident Assad gestürzt war, orientierten sich die USA neu. Im Januar liess Präsident Trump den Traum von einer kurdischen Autonomie auch in Syrien platzen.

Einzelne Vertreter dieser Gruppen betonten in den letzten Tagen, sie seien schon in Stellung entlang der Grenze zum Iran. Andere wiegelten ab, sagt Schmidinger. «Das Problem ist, dass man den USA nicht traut. Vor allem nicht nach dem, was im Januar in Rojava in Syrien passiert ist. Man weiss nicht, ob man nicht sozusagen verbraten wird.» Das haben die kurdischen Parteien Irans nicht vergessen.

Kurdische Bruderzwiste bereinigt

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Trotz allem Misstrauen wollen sich die kurdischen Parteien auf eine Wende vorbereiten. Schon kurz vor dem Iran-Krieg liess die Meldung aufhorchen, dass die fünf wichtigsten von ihnen ihre epischen Bruderzwiste hinter sich lassen, und den Zusammenschluss suchen wollen.

«Das ist aber vor allem ein politischer Zusammenschluss, um gemeinsam Forderungen auch an einen zukünftigen Machthaber in Teheran zu formulieren. Was sie gemeinsam haben, ist, dass sie einen demokratischen Iran und einen föderalen Iran wollen», sagt Schmidinger dazu.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich aus dem politischen Zusammenschluss mit US-Hilfe ein kurdisches Militärbündnis entwickeln könnte, sagt der Politwissenschaftler in Erbil. «Allerdings könnten sie allenfalls im allerbesten Fall die kurdischen Gebiete befreien. Und sie haben nur die Unterstützung der kurdischen Bevölkerung und nicht die der persischen Bevölkerung oder der anderen Minderheiten im Iran.»

Wie geht es weiter im Iran?

Doch für den Fall, dass sich die Islamische Republik halten kann, wollten die kurdischen Gruppen nicht vorpreschen, glaubt Thomas Schmidinger. «Ich bekomme von Diskussionen unter iranisch-kurdischen Intellektuellen mit, dass sie diesbezüglich zurückhaltend sind, weil sie befürchten, damit erstens dem Narrativ des Regimes, dass die Einheit des Iran bedroht ist, noch Unterstützung zu geben und das Regime damit stärken würden. Und weil sie zweitens damit riskieren würden, dass entweder das Regime oder ein künftiger Machthaber in Teheran unter den Kurden Massaker anrichten würde.»

Gleichzeitig müsse man die Warnung ernst nehmen, dass sich der Zerfall Irans beschleunigen könnte, wenn jetzt gezielt einzelne Gruppen aufgerüstet würden, so der Experte.

Thomas Schmidinger

University of Kurdistan Hewlêr

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Thomas Schmidinger ist Experte für Kurdistan und Dschihadismus. Seit 2014 ist er überwiegend in verschiedenen Forschungsprojekten als Erwachsenenbildner, politischer Berater von Abgeordneten in Parlamenten, als Lektor an der Universität Wien, der FH Oberösterreich und anderen Hochschulen in Österreich und im Nahen Osten tätig. Arbeitsschwerpunkte sind extremistische Bewegungen, muslimische Communities in Europa, religiöse und ethnische Minderheiten im Nahen Osten, Kurdistan, Syrien und der Irak.

Echo der Zeit, 06.03.2026, 18 Uhr / lin

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