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Neuer Schlag gegen die Demokratiebewegung in Hongkong
Aus SRF 4 News aktuell vom 10.08.2020.
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Repression in Hongkong «Die Razzia bei ‹Apple Daily› markiert ein neues Niveau»

Im bisher grössten Schlag gegen die Hongkonger Demokratiebewegung seit Einführung des umstrittenen sogenannten «Sicherheitsgesetzes» ist der bekannte Medienmogul und Aktivist Jimmy Lai festgenommen worden.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Nordostasien-Korrespondent, SRF

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Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

SRF News: Was wird Jimmy Lai vorgeworfen?

Martin Aldrovandi: Die Polizei hat sich bisher nicht näher geäussert. Es soll aber um den Verdacht auf Verstoss gegen das neue nationale Sicherheitsgesetz gehen. Mehrere Personen wurden festgenommen. Lai wird in einer ersten Polizeimitteilung nicht namentlich genannt. Es kursieren allerdings mehrere Fotos von seiner Verhaftung. Es ist zurzeit der Aufmacher auf der Webseite der betroffenen Zeitung «Apple Daily». Darauf sind Polizisten zu sehen, welche die Redaktionsräume durchsuchen und den Chef abführen.

Das Blatt deckt Skandale auf und berichtet sehr kritisch über die Regierung in Hongkong, wie auch die chinesische Regierung.

Wer ist Jimmy Lai?

Lay ist eine sehr bekannte Figur in Hongkong. Der erfolgreiche Geschäftsmann ist Gründer der Mediengruppe Next Digital, zu welcher auch die Boulevardzeitung «Apple Daily» gehört. Darin gibt es viel «Sex and Crime», aber auch politische Berichterstattung. Das Blatt deckt Skandale auf und berichtet sehr kritisch über die Regierung in Hongkong, wie auch die chinesische Regierung.

Die Zeitung wartet regelmässig mit scharfen und zugespitzten Titeln auf. Lai hat sich immer wieder sehr kritisch geäussert und ist auch sehr aktiv und prominent in der Demokratiebewegung engagiert. Das dürfte den Machthabern wenig Freude bereiten.

Jimmy Lai wird in den Redaktionsräumen der «Apple Daily» von Beamten abgeführt.
Legende: Jimmy Lai wird in den Redaktionsräumen der «Apple Daily» von Beamten abgeführt. Keystone

Lai sagte Anfang Juni der Agentur AFP, er mache sich auf Gefängnis gefasst. Kommt die Verhaftung also nicht überraschend?

Inzwischen kommt nach den Geschehnissen in Hongkong kaum noch etwas überraschend. Doch eine derartige Razzia gegen ein Medienunternehmen hat die Bevölkerung ganz sicher überrascht und vor allem entsetzt. «Apple Daily» schreibt von 200 Polizeikräften in den Redaktionsräumen. Es hat also ganz klar ein neues Niveau erreicht.

Die Behörden wollen offenbar die Aushängeschilder des Demokratielagers aus dem Verkehr ziehen.

Haben sich die Befürchtungen der Demokratiebewegung also bewahrheitet?

Das ist alles sehr beunruhigend. Anscheinend will die Regierung die führenden Köpfe der Demokratiebewegung kleinmachen. Die für September geplanten Parlamentswahlen sind bekanntlich um ein Jahr verschoben worden. Dort war ein grosser Sieg der Demokratiebewegung zu erwarten. Es sieht so aus, als ob die Behörden die Zeit nun nutzen, möglichst die Aushängeschilder des Demokratielagers aus dem Verkehr zu ziehen.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

SRF 4 News, 10.08.2020, 08:50 Uhr;

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Andre Mahr  (Andre M.)
    Wo bitte ist der Aufschrei im Westen, wenn es um Rechte von Menschen geht, die nichts anderes verteidigen, als Meinungs- & Pressefreiheit einer abgeschafften Demokratie? Warum sind wir alle so dekadent & lassen die chin. Diktatur einfach gewähren? China ist so unverfroren & verhaftet/verfolgt alle, die demokrat. Ansinnen verteidigen; im Beisein v. Presse & Zeugen! Eine völlig neue Entwicklung. Neu, dass wir Europäer regelrecht Einknicken, dass die Unethik unserer Wirtschaft weiter machen kann.
  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Ein Sargnagel mehr für den Anstandsrest an Demokratie, welcher in Hong Kong vermeintlich noch überlebt zu haben schien. Dieses Gesetz war die Antwort mit dem kommunistisch-machtpolitischen Vorschlaghammer zur Frage, ob China in den nächsten 50 Jahren den naiven, westlichen Hoffnungen auf einen "Wandel" im diktatorischen System eine Chance geben würde. Knallharte Machtpolitik im eigenen Vorhof und ein kleiner Vorgeschmack auf das, was allen blüht, die sich getrauen ihre Meinung zu äussern.
  • Kommentar von Marc Grut  (Pandas)
    Leider erstaunt dieses Verhalten kaum mehr. Wer sich im Einflussgebiet der Kommunistischen Partei Chinas befindet, muss mit allem rechnen.
    1. Antwort von Andre Mahr  (Andre M.)
      Next stop: Taiwan. Mal sehen, wann sich die demokratiefressende Diktatur China die richtige Demokratische Republik China auf Taiwan einverleibt. Und auch hier schauen wir im Westen wieder nur zu und diskutieren lieber sinnbefreit Maskenpflicht, als ob es eine freiheitliche Grundsatzentscheidung sei. Wir sind alle so satt gefressen, dass wir allesamt glauben, uns kann China nichts anhaben. Ein fataler Irrglauben. Die Politik als auch die Wirtschaft Europas muss zwingend umdenken...