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Social Media vor Gericht Junge Frau macht Instagram & Co. für ihre Sucht verantwortlich

In den USA stehen Instagram und Youtube vor Gericht – eine junge Frau klagt, die Plattformen hätten sie süchtig gemacht.

Die Vorwürfe: Die heute 20-jährige Klägerin, die im Prozess KTM genannt wird, wirft mehreren Social-Media-Plattformen vor, für ihre psychischen Probleme mitverantwortlich zu sein. Seit dem Alter von sechs Jahren nutze sie Youtube, und Instagram, seit sie neun sei. An vielen Tagen habe KTM sechs oder sieben Stunden auf der einen und mehrere Stunden auch noch auf der anderen Plattform verbracht. Die Mutter habe erfolglos versucht, KTM davon loszubringen. KTM gibt Social Media eine Mitschuld an ihrer Angststörung, ihrer Körperdysmorphie und auch an suizidalen Gedanken.

Plattformen halten dagegen: Die Social-Media-Betreibenden argumentieren, dass die Ursache der psychischen Probleme von KTM in ihrer schwierigen Kindheit liege. Und über diesen Einzelfall hinaus betonen die Betreibenden immer wieder die Schutzmechanismen, die sie auf ihren Plattformen anbieten.

Neue Argumentation: Dass es gerade jetzt zum Prozess kommt, liegt laut Tanja Eder von der SRF-Digitalredaktion daran, dass die Klage auf eine neue Strategie setzt. Bisher hätten sich die Plattformen immer aus der Verantwortung ziehen können, weil das amerikanische Gesetz besagt, dass Plattformen nicht für Inhalte von Dritten verantwortlich gemacht werden können. Im aktuellen Fall argumentieren aber die Klägerin und ihre Verteidigung, dass die Plattformen bewusst zu den Problemen beigetragen hätten. Ihr Design begünstige Sucht, und die Algorithmen zeigten vermehrt problematische Inhalte.

Anspruchsvolle Beweisführung: Laut Tanja Eder ist klar, dass die Social-Media-Plattformen so gestaltet sind, dass wir möglichst häufig die Plattform öffnen und dann möglichst lange draufbleiben. Einfach, damit wir mehr Werbung sehen, weil die Plattformen so ihr Geld verdienen. Aber ob Social Media wirklich klinisch süchtig machen, sei schwer zu sagen, so die Digitalredaktorin. Die EU ist im Falle von Tiktok unlängst zum Schluss gekommen, dass dem tatsächlich so ist.

Erste Erfolge: Die Klägerin konnte sich mit den Verantwortlichen von Tiktok und Snapchat bereits auf einen aussergerichtlichen Vergleich einigen. Was genau diese Einigung umfasst, ist indes unbekannt. Die beiden Plattformen seien damit aber nicht aus dem Schneider, sagt Eder.

Wegweisender Prozess: Rund um den Prozess im US-Bundesstaat Kalifornien fällt in US-Medien immer wieder das Schlagwort «Landmark Trial», also Leuchtturm-Prozess. Denn sollte KTM mit ihrer Klage gegen Instagram und Youtube Erfolg haben, dürfte laut Tanja Eder eine Flut weiterer Klagen auf Social-Media-Plattformen zukommen.

SRF 4 News, 17.2.2026, 16:55 Uhr;brus ; 

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