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«Super Tuesday» der US-Präsidentschaftsvorwahlen
Aus Echo der Zeit vom 03.03.2020.
abspielen. Laufzeit 07:22 Minuten.
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Trotz 500-Millionen-Kampagne Der Funke für Bloomberg will nicht springen

Emotionen lassen sich nicht kaufen. Das musste der kühle Multimilliardär vor dem Super Tuesday auch in Texas erfahren.

Am heutigen Super Tuesday ist erstmals auch der New Yorker Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg ins Rennen der Demokraten ums Weisse Haus gestiegen. Die ersten vier Vorwahlen hatte der 78-jährige Multimilliardär ausgelassen. Dafür überzog er das Land mit einer beispiellosen Werbekampagne, die bisher eine halbe Milliarde Dollar gekostet hat. So hat er als einziger in fast allen 14 Super-Tuesday-Staaten vor Ort Kampagnen-Organisationen geschaffen, auch in Texas.

An die Latinos von San Antonio

Ganamos con Mike – Wir gewinnen mit Mike Bloomberg. So lautet das Motto vom Bloombergs Wahlkampfauftritt in San Antonio. Der Anlass ist auf Latinos ausgerichtet, die fast 40 Prozent der Bevölkerung von Texas ausmachen.

Michael Bloomberg in San Antonio.
Legende: Michael Bloomberg richtete sich am letzten Sonntag in San Antonio an seine Unterstützer. Keystone

Gekommen sind aber vor allem wohlhabende Weisse, meist im Pensionsalter. Im Gegensatz zu Trump sei Bloomberg ein wirklich erfolgreicher Geschäftsmann, sagt der über 70-jährige Randy Fields, ein früherer Unternehmer. Dass Bloomberg bereits eine halbe Milliarde in seinen Wahlkampf gesteckt hat, stört ihn nicht.

Attribut: erfolgreich

Aber wirkt Bloomberg nicht bisweilen überheblich, gar arrogant? Nun ja, da sei was dran, gesteht Randys Ehefrau Laura: «Aber wer erfolgreich sein will, braucht halt viel Selbstvertrauen. Und Mike ist erfolgreich.» Zwar löse Bernie Sanders bei Jungen mehr Begeisterung aus, aber Senioren gingen in grösserer Zahl zur Urne.

Der Auftritt von Bloomberg ist perfekt inszeniert. Enthusiastische Fans werden gezielt dort postiert, wo sie für die Fernsehkameras gut sichtbar sind. Der 78-Jährige gibt sich locker. Viele Pointen wirken aber anbiedernd und kommen vom Teleprompter.

Michael Bloomberg richtete sich am letzten Sonntag in San Antonio an seine Unterstützer.
Legende: Bloomberg: «Ich brauche eure Mitarbeit. Ruft Freunde an und klopft bei Nachbarn an die Tür!» Keystone

Er habe nicht nur die Erfahrung, sondern auch die finanziellen Mittel, um Trump zu schlagen, betont er immer wieder. Nur einmal bittet er: «Ich brauche eure Mitarbeit. Ruft Freunde an und klopft bei Nachbarn an die Tür!»

Kaum Freiwillige in der texanischen Hauptstadt

Dass die Bloomberg-Kampagne wenig Freiwilligen-Unterstützung hat, zeigte sich zuvor bei einem Besuch in der lokalen Wahlkampfzentrale im Süden von Austin.

Rund ein Dutzend gut bezahlte Mitarbeiter kümmern sich dort um die vier anwesenden Journalisten. Aber es ist nicht viel los an diesem Samstagnachmittag. Der erhoffte Ansturm von Freiwilligen bleibt aus: Gerade mal fünf ältere Bloomberg-Fans sitzen etwas verloren im grossen Saal und rufen unentwegt potenzielle Wählerinnen an.

Meist landet Dorothy Delegarsa nur auf dem Telefonbeantworter, oder das Telefon läutet ins Leere. Der 75-Jährige zeigt dennoch Kampfgeist. Als langjährige Republikanerin engagiert sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben für einen Demokraten. Die Menschen hätten an diesem sonnigen Frühlingstag halt einfach andere Prioritäten, erklärt sie sich die schwache Unterstützung Bloombergs durch Freiwillige.

«Reserviert und kühl»

Kritischer sieht es Susan Meredith, eine pensionierte Ingenieurin. Bloomberg habe einfach Mühe, eine persönliche Verbindung zu gewöhnlichen Menschen herzustellen. Mike sei reserviert und kühl. Zwar bräuchte das Land jetzt eigentlich genau so einen Präsidenten. Aber die meisten liessen sich eben vor allem durch Emotionen bewegen.

Bloomberg hat mit einer beispiellosen Werbekampagne zwar grosse Bekanntheit erlangt. Aber der Funke will nicht springen. Mit Geld lässt sich Vieles realisieren. Begeisterung gehört augenscheinlich nicht dazu.

srf/brut, Echo der Zeit, 18.00 Uhr.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Ich denke das Herr Bloomberg dem jetzigen Präsidenten einfach zu ähnlich ist und deswegen trotz seines Geldes wenig Chancen hat.
  • Kommentar von Kurt Wirz  (kuwi)
    Bloomberg hat zwar Geld wie Heu aber das Charisma einer Winterjacke. Wenn er nicht mit Inhalten punkten kann wird das wahrscheinlich nichts.
  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    „Emotionen lassen sich nicht kaufen.“
    Da wurde aber bei Trump anders getitelt!
    Ich frag mich eher, wie es zu diesen 40% Latinoanteil kommt in einem Staat der USA? In Kalifornien ist es ähnlich. Und was da die Zukunft bringt? Mit Sicherheit bald eine Mehrheit! Und dann? Auch klar oder? Wir müssen nur nach Südafrika schauen. Alles eine Frage der Zeit.
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Der hohe Anteil hat nur zum Teil mit der Zuwanderung zu tun. Viele vergessen das es in den USA schon vor der Staatsgründung Spanischsprachige gab. Vor allem in den südlichen Teilen der USA. Auch sind spanischsprachige Familien nicht selten kinderreicher als die mit z.B. Englischem, irischem oder deutschen Hintergrund.