- Das US-Justizministerium hat laut Medienberichten Anklage gegen den früheren kubanischen Präsidenten Raúl Castro erhoben.
- Dem 94-Jährigen werden Verschwörung zum Mord an US-Bürgerinnen und -Bürgern, vierfacher Mord sowie die Zerstörung von Flugzeugen vorgeworfen.
- Die kommunistische Regierung in Havanna weist die Klage zurück.
«Es handelt sich um eine politische Aktion ohne jegliche rechtliche Grundlage, die lediglich darauf abzielt, einen Vorwand zu schaffen, um den Irrsinn einer militärischen Aggression gegen Kuba zu rechtfertigen», schrieb der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel auf der Plattform X.
Zwei zivile Flugzeuge abgeschossen
Im Zentrum der Anklage steht ein Ereignis im Jahr 1996: Kubanische Kampfjets schossen damals zwei zivile Flugzeuge von Exilkubanern ab.
Bei dem Vorfall vor 30 Jahren starben vier Menschen, darunter drei Personen aus den USA. Castro war zu dieser Zeit Verteidigungsminister. Die kubanische Regierung sprach stets von einer legitimen Reaktion darauf, dass der Luftraum verletzt worden sei. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation kam später jedoch zum Schluss, dass sich der Abschuss über internationalen Gewässern ereignet hatte.
Mehrere US-Kongressmitglieder wandten sich vor ein paar Monaten in einem Brief an die US-Regierung und forderten eine Anklage gegen Raúl Castro.
Blanche erwartet Castro in den USA – freiwillig oder nicht
Castro soll nach den Worten von Justizminister Todd Blanche für seinen Prozess in die USA kommen – egal wie. «Wir erwarten, dass er sich entweder freiwillig oder auf andere Weise hier einfinden wird», sagte Blanche in Miami bei der Bekanntmachung der Anklage. Nähere Angaben dazu, wie Castro ins Land kommen solle, machte er nicht.
Wie Blanche mitteilte, liess eine Grand Jury die Anklageschrift bereits im April zu. Am Mittwoch habe das zuständige Bundesgericht in Florida das Dokument veröffentlicht.
Die Anklage markiert eine weitere Eskalation im Konflikt zwischen Washington und Havanna. Donald Trump bezeichnete Kuba am Mittwoch als «Schurkenstaat, der feindliches ausländisches Militär beherbergt». Die Massnahmen der Regierung zielten darauf ab, so Trump, den US-Einfluss auf dem amerikanischen Kontinent auszuweiten.
Die USA verschärften den Druck auf Kuba zuletzt deutlich und drohten Staaten mit Sanktionen, wenn sie Treibstoff nach Kuba liefern. Die Massnahmen verschärfen die Stromausfälle sowie die Versorgungs- und Wirtschaftskrise auf der Insel.
Parallel zur Anklage bot US-Aussenminister Rubio Kuba Hilfen von 100 Millionen Dollar für Lebensmittel und Medikamente an. Er machte die kubanische Führung für den Mangel an Strom, Treibstoff und Nahrung verantwortlich.
Kubas Aussenminister Bruno Rodriguez nannte Rubio daraufhin ein «Sprachrohr korrupter und rachsüchtiger Interessen». Er schloss die Annahme der Hilfen nicht aus, verwies aber zugleich auf den Zynismus des Angebots angesichts der US-Wirtschaftsblockade.
Parallelen zum Fall Maduro
Das Vorgehen erinnert an den Fall des venezolanischen Ex-Präsidenten Nicolás Maduro. Die USA hatten Maduro wegen Drogenhandels angeklagt und die Vorwürfe als Grundlage für eine Militäraktion genutzt, bei der Maduro im Januar in Caracas festgenommen und nach New York gebracht wurde.
Trump drohte bereits im März, Kuba sei nach Venezuela «als Nächstes dran». Maduro gilt als enger Verbündeter Havannas. Kubas Präsident Díaz-Canel warnte diese Woche vor einem «Blutbad», sollte es zu einem US-Militäreinsatz gegen Kuba kommen.