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Vor Katalonien-Jahrestag Krawalle bei Demos in Barcelona

Die katalanische Polizei wurde von Separatisten attackiert. Aber auch die Polizisten selbst demonstrierten.

Legende: Video Katalonien gedenkt dem Referendum von 2017 abspielen. Laufzeit 01:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.09.2018.

Zwei Tage vor dem Jahrestag des katalanischen Unabhängigkeitsreferendums vom 1. Oktober 2017 ist es in Barcelona zu Krawallen gekommen. Die katalanische Polizei wurde von Separatisten attackiert, die sich einer Demonstration von Beamten der nationalen Polizeieinheiten Policía Nacional und Guardia Civil nähern wollten und daran gehindert wurden.

Die katalanischen Polizisten seien unter anderem mit Farbbeuteln und Eiern beworfen worden, berichteten spanische Medien unter Berufung auf die Behörden. Eine Person sei festgenommen worden. Über Verletzte wurde zunächst nichts bekannt.

Auch Polizisten protestierten

Ziel war es, eine Kette zu bilden, um die Demonstrationen der Separatisten und der zentralstaatlichen Sicherheitskräfte im Zentrum Barcelonas getrennt zu halten. Zahlreiche der rund 6000 Separatisten hätten mit Gewalt versucht, die Polizeikette zu durchbrechen. Dabei seien auch Demonstranten aneinandergeraten.

Polizist mit gelber Farbe verschmiertem Visier.
Legende: Die Polizisten wurden mit Farbbeuteln beworfen. Keystone

Rund 2000 Beamte der Nationalpolizei und der Zivilgarde waren auf die Strasse gegangen, um den Polizeieinsatz von 2017 zur Verhinderung des Unabhängigkeitsreferendums zu würdigen und eine Erhöhung der Bezüge zu fordern. Nach ihren Angaben verdienen die Angehörigen der Regionalpolizei Mossos d'Esquadra in Katalonien deutlich mehr.

Torra: «Wir brauchen Antworten aus Madrid»

Ein Jahr nach dem Referendum ist die offizielle Politik in Katalonien wie gelähmt. Während Carles Puigdemont nach Belgien flüchtete, übernahm Quim Torra die Amtsgeschäfte. Er setzt auf die neue sozialistische Regierung in Madrid, verspricht sich aber nicht zu viel. «Der Wechsel in Madrid war eine Chance, ist eine Chance. Wir brauchen aber eine Antwort aus Madrid auf die Frage nach der Selbstbestimmung. Das ist die zentrale Frage. 80 Prozent der Katalanen wollen diese Frage in einem gültigen und anerkannten Referendum zur Selbstbestimmung klären», sagt Torra der «Tagesschau».

An vielen Orten organisieren sich Nachbarschaftsgruppen wieder. Und aus dem zaghaften Protest vor dem Regierungssitz sollen an diesem Wochenende und am 1. Oktober wieder eine lautstarke Forderung nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit werden – überall in Katalonien, wie SRF-Korrespondent Markus Böhnisch betont.

Jahrestag

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Am Montag jährt sich zum ersten Mal das als verfassungswidrig eingestufte Unabhängigkeitsreferendum. Nach der Abstimmung und einem anschliessenden Beschluss zur Abspaltung der wohlhabenden Region von Spanien hatte die Zentralregierung in Madrid Katalonien im Herbst 2017 unter Zwangsverwaltung gestellt.

Der damalige Regionalpräsident Carles Puigdemont floh ins Exil nach Belgien. Mehrere Minister der damaligen Regionalregierung und weitere Aktivisten der Separatistenbewegung sitzen in U-Haft. Nach dem Amtsantritt der neuen katalanischen Regierung im Mai wurde die Zwangsverwaltung beendet. Aber auch der neue Regionalpräsident Quim Torra besteht auf das «Recht auf Selbstbestimmung» der Katalanen.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Gabori Balazs (Gabori Balazs)
    Ich war jetzt ein Jahr in Katalunien und verstehe das Volk....
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Die Katalanen wissen wenigstens noch, was Heimatliebe +Unabhängigkeit ist. Leider wird die halbe Welt von der Links-Elite beeinflusst. Die gaukelt den Menschen vor, dass Globalisierung +Wirtschaftswachstum den Armen helfen würde. Das Gegenteil ist aber die Wahrheit. Die Links-Elite verspricht dem Volk (den Liberalen) mehr Freiheit wie z.B. Drogenlegalisierung + Multi-Kulti wie etwa in Afrika + Südamerika. Dies würde dieser Elite ermöglichen am Volk vorbei zu regieren und zu machen was sie will.
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    1. Antwort von Laurent Christen (kritisch bleiben)
      Jetzt kommt der Schocker: Die allermeisten Linken in Katalonien sind - für die Unabhängigkeit. Dagegen sind vor allem die Rechten, insbesondere die extremen Rechten.
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    2. Antwort von Stefan Renevey (weissdassichnichtsweiss)
      Das ist der Hammer der Kommentare der letzten Zeit. Die Linken sind für Wirtschaftswachstum. Ja schon!! Aber so, dass es keine Verlierer gibt dabei. Was von den Rechten, die das auch wollen, gaaanz anders vorgesehen ist. Das Linkenbashing hier nimmt langsam groteske Formen an. Aber eines muss man der rechten Elite lassen: Wie sie`s schaffen, die Wahrnehmung zu kolportieren, das die Einzigen die sich für den kleinen Mann einsetzen an der ganzen Misere Schuld sein sollen, ist bewundenswert.
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    3. Antwort von Matthias Zimmermann (_schwuppidup_)
      wie kommt man auf solche ideen @M. Roe?
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  • Kommentar von Alexander Ognjenovic (Alex)
    Ich unterstütze grundsätzlich die Idee der territorialen Einheit Spaniens! Doch man muss auch einsehen dass die separatistischen Tendenzen Kataloniens beflügelt worden sich durch den Separatismus in EX-Jugoslawien! Europa und auch die Schweiz hätten niemals den Unabhängigkeitsprozess Kroatiens, Kosovos, Bosniens, Mazedoniens usw... unterstützen dürfen! Jetzt ist aber alles durcheinander in Europa! Das hätte echt nicht sein müssen!
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    1. Antwort von Daniel Hüppin (Daniel Hüppin)
      Ich glaube, Sie müssen sich langsam damit abfinden, dass es Jugoslawien nicht mehr gibt. Meines Wissens steht die Unabhängigkeit Kroatiens, Bosniens, Mazedoniens sowie Sloweniens und Montenegros nirgendwo mehr gross zu Debatte. Deren Unabhängigkeit ist international anerkannt und übrigens demokratisch legitimiert. Nur der völkerrechtliche Status Kosovos ist noch strittig. Es war Serbien, das auf militärischem Wege versuchte, die Unabhängigkeit der Teilrepubliken zu verhindern, halt ohne Erfolg.
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    2. Antwort von Alexander Ognjenovic (Alex)
      Sie müssen sich langsam damit abfinden dass Slowenien, Kroatien, Bosnien, Mazedonien und Montenegro nicht lebensfähige Kolonien des US-Imperiums sind, die als unabhängige Staaten wirtschaftlich keine Überlebenschancen haben! Ein Möchtegernstaat der seine Bevölkerung nicht ernähren kann, nicht ernähren will darf nicht unabhängig sein!
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    3. Antwort von Michel Koller (Mica)
      @Ognjenovic: Nach Ihren Worten wundern Sie sich hoffentlich nicht, wieso die genannten Länder und deren Bevölkerung nicht besonders viel von einer Wiedervereinigung halten. Das ist schon sehr von oben herab aber zeigt dafür deutlich, wieso dieses Konstrukt auseinander gebrochen ist.
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