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Wahlen in Ungarn Korrespondentin: «Orban ist zu einem Problem für die EU geworden»

Am Sonntag könnte in Ungarn eine Ära zu Ende gehen. Nach 16 Jahren an der Macht ist Premier Viktor Orban unter Druck wie nie zuvor. Sein Herausforderer Peter Magyar liegt in den Umfragen vorn. Für die EU ist die Wahl ein Wendepunkt, sagt SRF-Korrespondentin Judith Huber.

Judith Huber

Osteuropa-Korrespondentin

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Vor ihrer Tätigkeit als Osteuropa-Korrespondentin war Judith Huber als Sonderkorrespondentin für die Ukraine und als Auslandredaktorin tätig. Sie war zudem jahrelang Produzentin der Sendung «Echo der Zeit» von Radio SRF. Judith Huber befasst sich seit Jahren mit Osteuropa und Russland und mit anderen Ländern des postsowjetischen Raums. Sie spricht sowohl Russisch als auch Ukrainisch.

Weshalb schaut ganz Europa auf die Wahlen in Ungarn?

Viktor Orbán ist zu einem Störfaktor in der EU geworden, dessen Handeln Auswirkungen auf die ganze Union hat. Er hat in 16 Jahren die Demokratie in Ungarn beschädigt, enge Beziehungen zu Russland und China aufgebaut und blockiert regelmässig wichtige EU-Beschlüsse. Oft sind diese Blockaden auch im Interesse Russlands. Das alles schwächt die EU und ist für Brüssel ein riesiges Problem.

Wieso sind ausgerechnet jetzt viele müde von Orban?

Die Müdigkeit gibt es schon lange, aber bisher fehlte eine glaubwürdige Alternative. Mit Peter Magyar ist nun eine Figur erschienen, die aus dem Inneren des Systems kommt und weiss, wie man Orban bekämpfen muss. Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Lage schlecht. Der versprochene Aufschwung ist ausgeblieben und die Korruption ist für viele nicht mehr zu ignorieren.

Mann in Anzug spricht bei einer Veranstaltung.
Legende: Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban während einer Pressekonferenz. Keystone/Denes Erdos

Wer ist der Herausforderer Peter Magyar?

Er war Teil des Systems von Premierminister Orban. Seine damalige Frau war Justizministerin, er selbst hatte hohe Posten in der Verwaltung. Nach einem Skandal Anfang 2024 brach er mit dem System, ging an die Öffentlichkeit und sprach über Korruption und Vetternwirtschaft. Er hat die Unzufriedenheit und die Hoffnung vieler Menschen auf sich vereint.

Viele sagen, Magyar erinnere an den jungen Orban. Was bedeutet das?

Er ist wie Orban konservativ und vertritt in vielem ähnliche Positionen, etwa in der Migrationspolitik. Das macht ihn auch für viele wählbar, die lange für Orban gestimmt haben. Orban versuchte, ihn als Linken zu diskreditieren, aber das funktionierte nicht, weil Magyar sozusagen aus dem gleichen Stall kommt.

Wie kann Peter Magyar die Wahl gewinnen?

Die Bedingungen sind nicht gleich. Die Regierung kontrolliert die meisten Medien und erreicht so viel mehr Leute. Auf der Strasse sieht man das physisch: Die grossen Plakatflächen sind mit Werbung der Regierungspartei besetzt, der Opposition bleiben die kleineren Plakate an den Strassenlaternen. Magyar muss deshalb direkt zu den Leuten gehen, reist seit Monaten durchs Land und ist auf Social Media sehr präsent.

Wenn die Regierungspartei verliert: Ist Orban dann Geschichte?

Nein, keineswegs. Man muss sehen, dass Orbans Partei alle wichtigen Institutionen des Landes kontrolliert. Selbst nach einer Niederlage bleibt die alte Regierung kurz noch geschäftsführend im Amt. Es kursieren Gerüchte über eine Art «Verfassungsputsch»: Das alte Parlament könnte die Verfassung noch ändern, um Orban an als Präsidenten an der Macht zu halten. Eine Wahlniederlage bedeutet also nicht automatisch sein Ende.

Das Gespräch führte David Karasek.

Tagesgespräch, 9.4.2026, 13:00 Uhr ; 

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