Am 8. März stimmt die Schweiz über die SRG-Initiative, die die Medienabgabe für Haushalte von 335 auf 200 Franken pro Jahr senken und die Unternehmen gänzlich von der Abgabe befreien will, ab.
«Vieles ist unnötig»
Die SRG sei stark gewachsen und zu einem «Moloch» geworden, erklärt Dettling. Jetzt könne man «ein Zeichen» an die Bevölkerung geben, «dass sie selber entscheiden kann, wo sie investieren und was sie schauen und konsumieren wolle.»
«SRF macht einen ganzen Haufen gute Sachen», sagt er. Aber das könne man auch mit 200 Franken tun. Vieles im Programm sei unnötig und gehöre nicht zum Kernauftrag. Zum Beispiel – so Dettling – die Dokuserie «Shaolin Challenge», die mit Schweizer Prominenten in Südkorea gedreht wurde.
Swissness heisst, mit begrenzten Mitteln Qualität zu liefern.
Urs Furrer, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, sieht die SRG-Initiative als Chance für Innovation: «Swissness heisst, mit begrenzten Mitteln Qualität zu liefern. Das ist die Erwartung an SRF.» Furrer und Dettling betonten, dass bei Annahme der Initiative 850 Millionen Franken bleiben würden – genug, um den Kernauftrag zu erfüllen.
Zudem betont Furrer, dass die privaten Medien einen zentralen Beitrag für Meinungsvielfalt und Demokratie im Land leisten. «Es ist gefährlich, die Filterfunktion allein einem Player zu überlassen.» Die Vielfalt sei entscheidend.
«Es droht ein Kahlschlag»
Die Gegner der Initiative widersprechen. SRG-Verwaltungsratspräsident Cina warnt vor einem «Kahlschlag» im Programm. «Man kann nicht einfach das Budget halbieren und meinen, man kann immer alles noch machen.»
Gerade die Swissness sei in Gefahr. Eigenproduktionen, etwa Dokumentationen über die Schweiz, seien teuer. Das koste weit mehr als den Zukauf eines Dokumentarfilms aus dem Ausland.
Öffentliche Medien sind Bollwerke gegen Propaganda und Desinformation.
«Die Swissness würde massiv leiden», sagt auch SP-Vizepräsidentin Jacqueline Badran. «Schweizer Kultur, Musik, Satire, Kleinkunst, Filmschaffen und Serienproduktionen würden mehr oder minder auf null heruntergefahren», so Badran.
Badran sieht in der SRG-Initiative aber noch ein anderes Problem. Öffentliche Medien seien Bollwerke gegen Propaganda und Desinformation. Im Zeitalter von Fake News und Einflussnahme durch Autokraten sei das wichtiger denn je, so die Zürcher SP-Nationalrätin. Deshalb müsse das Budget der SRG nicht halbiert, sondern «verdoppelt» werden.
Auch die Bedeutung der SRG für die regionale Identität war in Altdorf ein Thema. Für die einen Urner am Stammtisch ist die SRG ein Stück Schweiz – mit regionaler Berichterstattung, die ohne Radio- und TV-Präsenz an Sichtbarkeit verlieren würde. Andere Urner hingegen argumentierten, dass regionale Privatmedien reichen würden.
Doch genau hier zeigte sich die Kernfrage des Abends: Wie viel Service Public braucht die Schweiz, um ihre Vielfalt abzubilden – und wie viel darf er kosten?