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Alters- und Pflegeheime in Zeiten von Corona
Aus Rendez-vous vom 07.04.2021.
abspielen. Laufzeit 04:54 Minuten.
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Corona-Lockerungen Impfung macht das Leben in Altersheimen wieder einfacher

Viele Seniorinnen und Senioren im Heim freuen sich auf ein bisschen Normalität. So auch im Lindenfeld in Suhr bei Aarau.

Peter Meier ist ein spiritueller Mensch. Der 75-Jährige ist nierenkrank, muss dreimal pro Woche zur Dialyse und sitzt im Rollstuhl. Die strahlend blauen Augen blicken aufmerksam, als er seine Gedanken zum Coronavirus erzählt.

Corona, die Krone, der König. Corona regiere nun die Welt, wolle sie ändern. Es habe Positives gebracht, alles sei langsamer, die Natur gesünder geworden, so Meier: «Mir kommt es vor, als ob der König eingreifen wollte, damit wir der Natur mehr Sorge tragen, nachdem wie Mutter Natur jahrzehntelang kaputtgemacht haben.»

Ein schwieriges Jahr – in jeder Hinsicht

Positive Gedanken eines Mannes, der ein noch unglaublicheres und einschneidenderes Jahr erlebt hat als die meisten von uns. Vor einem Jahr kam sein zweites Enkelkind zur Welt. Wegen Corona konnte er es dann kaum sehen. Im Sommer musste Peter Meier wegen einer Gürtelrose ins Spital. Er sei dem Tod nahe gewesen, doch habe er die Krankheit überwinden können.

Peter Meier.
Legende: Peter Meier: «Ohne meinen Lebenshintergrund hätte ich diese Lebenssituation nicht meisten können.» SRF

Ende August kam er ins Pflegezentrum Lindenfeld in Suhr. Ein erneuter Schicksalsschlag in diesem Jahr: Seine Frau starb an Krebs. Seine spirituelle Art helfe ihm, mit den schwierigen Situationen umzugehen: «Ohne diesen Lebenshintergrund hätte ich diese Lebenssituation nicht meisten können. Vor allem, als die Quarantäne anfing und wir tagelang niemanden empfangen konnten. Das muss man aushalten können.»

Soviel Freiheit wie möglich – trotz Isolation

Freiheit vor Sicherheit – das ist die Devise im Lindenfeld. So wenig Einschränkungen wie möglich. Trotzdem ging es nicht ohne Quarantäne und Isolation.

Auch der 91-jährige Christian Hofer und seine beiden Zimmergenossen haben es erlebt: «Wir blieben im Zimmer, blieben fröhlich, sprachen miteinander und machten Spiele, da ging die Zeit vorbei», erzählt er. Eines Abends sei dann die Pflegerin gekommen und habe sie im Zimmer von der Maskenpflicht befreit, da sie negativ seien.

Wir blieben im Zimmer, blieben fröhlich, sprachen miteinander und machten Spiele, da ging die Zeit vorbei.
Autor: Christian Hofer, 91

Mehrmals pro Woche erhält Christian Hofer Besuch von seiner Tochter. Im letzten Jahr konnten sie sich zum Teil nur durch die Scheibe sehen und telefonieren. Eine Zeit lang halfen Zivilschützer beim Skypen. Jetzt kann sie wieder neben ihrem Vater sitzen. Seit letzter Woche dürfen die Bewohner ihre Angehörigen auch wieder in der Cafeteria empfangen.

Christian Hofer mit seiner Tocher Elvira Neeser.
Legende: Christian Hofer freut sich über die Lockerungen und dass er nun ab und zu wieder mit der Tochter Elvira Neeser ausfahren kann. SRF

Das Heim habe es gut gemacht, sagen Christian Hofer und seine Tochter. Nur wenige Bewohnerinnen und Bewohner hatten Corona.

Bettlägerige traf es besonders hart

Dem pflichtet Peter Dietiker bei. Er ist seit drei Jahren bettlägerig. Die Quarantäne sei schlimm gewesen, kein Besuch, immer am gleichen Ort liegen: «Um mich machte ich mir keine Sorgen, weil ich hier gut aufgehoben bin. Aber um meine Angehörigen machte ich mir Sorgen.»

Um mich machte ich mir keine Sorgen, weil ich hier gut aufgehoben bin.
Autor: Peter Dietiker

Peter Dietiker gehört zu den über 90 Prozent, die sich im Pflegezentrum impfen liessen. Damit dürften die alten Menschen bald noch mehr Freiheiten geniessen. Peter Dietiker wünscht sich die Gesichtsmasken weg: Dann könne er die Leute wieder besser verstehen, denn er höre trotz Hörgerät nicht mehr gut.

Peter Dietiker.
Legende: Peter Dietiker ist seit drei Jahren bettlägerig. Die Maske erschwerte ihm die Kommunikation mit der Umwelt zusätzlich. SRF

Ein Lichtblick

Die Maskenpflicht dürfte aber noch andauern. Hingegen könnten noch mehr soziale Kontakte möglich werden. Peter Meier, der Mann mit dem extremen Jahr, freut sich: «Es ist wunderbar, wenn wir wieder die Nähe der Angehörigen spüren können.» Die beiden Enkel auf dem Schoss sitzen haben und ihnen eine Geschichte erzählen. So wie es Grossväter in Zeiten ohne Corona normalerweise tun.

Rendez-vous, 07.04.2021, 12:30 Uhr

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    Kompliment an RadioSRFRendezvous für diesen Beitrag. War sehr eindrücklich, das Ganze, die einzelnen Stimmen auch zu hören. Beim Zuhören habe ich auch noch gelacht, wie der eine Bewohner erzählte, dass sie am Quarantäne-Abend nein, nicht von der "Maskenpflicht" befreit, sondern von der "Gasmaskenpflicht" (quasi "Rüsselpflicht") befreit worden seien. Diese Männer haben ja z.T. noch den Aktiv-Dienst erlebt und helfen sich eben mit dieser Erinnerung. Dieser Beitrag ist für mich ein Aufsteller danke