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Monika Bütler im Interview
Aus Tagesschau am Vorabend vom 14.01.2021.
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Interview zum Tag «Eine Welt ohne Massnahmen ist nicht eine Welt ohne Kosten»

Der Bundesrat hat die Massnahmen verschärft, obwohl die Fallzahlen eine Entspannung zeigen. Er begründet das mit der Verbreitung der Virusmutation, welche die Fallzahlen in England in die Höhe treibt. Die getroffenen Massnahmen seien im Sinne der Taskforce, sagt Monika Bütler.

Monika Bütler

Monika Bütler

Ökonomin und Vizepräsidentin der Corona-Taskforce

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Monika Bütler ist Wirtschaftsprofessorin an der Universität St. Gallen. Sie gilt unter anderem als Expertin für das Sozialversicherungssystem sowie für Wirtschaftspolitik für Familien. Bütler ist zudem Vizepräsidentin der Corona-Taskforce des Bundes.

SRF News: Frau Bütler, wie viel Mal haben Sie sich in den letzten Monaten über den Bundesrat geärgert?

Monika Bütler: (Lange Pause) Ich habe mich gar nie geärgert.

Ihre lange Pause hat Sie verraten. Ich glaube Ihnen das nicht.

Natürlich hätte man sich manchmal ein anderes Resultat gewünscht. Aber mir ist klar, wie gross die Verantwortung des Bundesrates ist und wie schwierig die Entscheidungen zu treffen sind.

Aber mit den Entscheidungen des Bundesrates von gestern sind Sie zufrieden?

Die Entscheidung, dass man jetzt vorsorgliche Massnahmen trifft, um eine schwierigere Situation zu vermeiden, ist ganz im Sinne der Taskforce.

Gemäss NZZ kostet das, was der Bundesrat beschlossen hat, pro Monat drei bis fünf Milliarden Franken. Das muss Ihnen als Ökonomin einen Stich ins Herz geben.

Nein, an diese Zahlen haben wir uns gewöhnt. Wir sind zu den gleichen Schätzungen gekommen. Die Frage ist: Was wäre, wenn die Massnahmen nicht getroffen würden? Kurzfristig hätten wir tatsächlich weniger Kosten. Aber wenn es zu einer Überlastung des Gesundheitssystems kommt, noch mehr Kranke, noch mehr Tote, wenn eventuell die Schulen geschlossen werden müssten, dann wären die Kosten wahrscheinlich deutlich höher als das, was wir jetzt zu bezahlen haben. Die Welt ohne Massnahmen ist nicht eine Welt ohne Kosten.

Sparen ist ja vor allem dazu da, dass man in Notlagen etwas hat.

Bundesrat Maurer hatte gestern seinen Frust ausgedrückt. Aus den Massnahmen würden Schulden entstehen, welche die Gesellschaft die nächsten 10 bis 15 Jahren belasten würden. Was sagen Sie dazu?

Natürlich sind die Massnahmen teuer – und die Schulden werden ansteigen. Aber wir haben in den letzten 20 Jahren die Schulden stark reduziert, wir haben gespart, und Sparen ist ja vor allem dazu da, dass man in Notlagen etwas hat. Gleichzeitig kann sich die Schweiz zurzeit sehr günstig verschulden, nicht gratis, Schulden sind nie gratis, aber das sind nicht Kosten, die die Wirtschaft stark belasten werden. Wenn wir die Massnahmen nicht treffen würden, dann würden die Schulden genau gleich anfallen, unter Umständen mit einem viel schlechteren Resultat.

Sie haben am Donnerstag am Point de Presse auch darüber gesprochen, was die Menschen brauchen, um psychisch gesund zu bleiben. Was brauchen sie?

Es gibt Umfragen zu diesem Thema. Psychische Probleme treten auf wegen des Lockdowns, aber es treten auch psychische Probleme auf wegen der Pandemie. Es hat sich oft gezeigt, dass nicht in erster Linie materielle Sachen wichtig sind für die Leute, sondern zum Beispiel auch der Blumenladen.

Und deshalb bleibt er offen?

Das weiss ich nicht. Die Entscheide trifft der Bundesrat.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

Tagesschau, 14.01.21, 18:00 Uhr;

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Corinne Ehrler  (Corinne Ehrler)
    So krass einschneidende Massnahmen sind rechtlich nicht zulässig, wenn deren Notwendigkeit und Verhältnismässig nicht eindeutig belegt werden kann. "Vorlauf gewinnen" und irgendwelche Annahmen und Hoffnungen sind dafür untauglich. Folglich befinden wir uns in der Situation, dass der Staat illegal handelt.
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    1. Antwort von David Huser  (Dave21)
      Ich empfehle Ihnen das Buch „Der Marshmallow Test“ von Walter Mischel.

      Dort geht es um den Belohnungsaufschub. Dabei verzichtet man heute auf eine kleine Belohnung um in der Zukunft eine viel grössere zu erhalten.

      Personen mit minimalster kognitiver Flexibilität könnten diese Überlegungen auch auf unsere Situation anwenden und die Vorteile in den Massnahmen des BR erkennen.
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    2. Antwort von Lucy Meier  (LucyM)
      Dass die Bewältigung einer Pandemie keine exakte Wissenschaft ist, dürfte wohl einleuchten. Trotzdem sind die Massnahmen richtig und auch verhältnismässig. Der Staat handelt ganz sicher nicht illegal, ansonsten müssten Sie Ihre Behauptung mal belegen. Es steht Ihnen zudem auch frei, ein Gerichtsverfahren gegen die Massnahmen anzustrengen.
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    3. Antwort von Mark Stalden  (Mark)
      Ehrler. Da liegen sie wiedereinmal Falsch. Das ist keines Wegs Illegal. Im Verhältnis haben die umliegenden Länder ganz andere Massnahmen die dann Wircklich krass sind, das haben wir hier nicht. Die Hoffnung keine Massnahmen würden eine Erleichterung oder weniger Tote bringen ist eine Krasse Fehlinterpretation ihrerseits und von ihrer Lieblingspartei.
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  • Kommentar von Louis Stucki  (Louis Stucki)
    Ich finde es ja sinnvoll, dass Massnahmen getroffen werden, ob sie langfristig helfen, sei dahingestellt oder ob die Fallzahlen wieder zunehmen, wenn man den Lockdown aufhebt. Allerdings ist es für mich unverständlich, dass Erotikbetriebe geöffnet sein dürfen, ich habe immer geglaubt, dass man dort nahen Körperkontakt hat oder irre ich mich?! Herr Mathys vom BAG hat dies nur mit einer nichtssagenden Floskel ("Güterabwägung/man kann es nicht allen recht machen") "erklärt".
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  • Kommentar von Yves Juillard  (Yves Juillard)
    Einfach mal so.. den Kauf von Kampfflugzeugen um zehn Jahre verschieben. Wäre eine gute Finanzielle Stütze.
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