Zum Inhalt springen

Header

Audio
Deutschlehrermangel im Tessin
Aus HeuteMorgen vom 09.03.2021.
abspielen. Laufzeit 02:31 Minuten.
Inhalt

Lehrermangel Dem Tessin gehen die Lehrpersonen für Deutsch aus

Im Südkanton gibt es nicht genug Deutschlehrer. Wegen der tiefen Löhne dürfte sich daran so bald auch nichts ändern.

Der Tessiner Bildungsdirektor Manuele Bertoli macht sich Sorgen. Denn im Südkanton herrscht schon länger ein akuter Mangel an Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern.

Für das nächste Schuljahr etwa fehlen rund 15 solcher Lehrpersonen. Zudem stehen zahlreiche Pensionierungen an. Das dürfte das Problem weiter verschärfen.

Lehrermangel beeinträchtigt Unterrichtsqualität

Diese Entwicklung sei «besorgniserregend», so Bertoli. «Wenn es keine grosse Auswahl an Bewerbern gibt, führt das zu einem Qualitätsverlust bei den Dozierenden».

Mann vor Schweizerflagge
Legende: Manuele Bertoli möchte den Lehrermangel mit Quereinsteigern und Lehrpersonen aus dem Ausland bekämpfen. Keystone

Um die Lücke zu füllen, werden neu Quereinsteigerkurse für Tessiner Primarlehrerinnen angeboten. Nach dem Besuch eines solchen Kurses sollen diese in der Lage sein, Deutsch-Pensen auf Sekundarstufe zu unterrichten. Das Problem: Das Fach Deutsch ist im Tessin nicht sonderlich beliebt. Solche Kurse allein dürften deshalb nicht ausreichen.

Damit der Lehrermangel dennoch behoben werden kann, sucht der Kanton laut Bertoli neu Lehrpersonen im Ausland, etwa in Österreich, Deutschland, oder dem Südtirol.

Dass eine solche Massnahme ausgerechnet im Tessin beschlossen wird, überrascht. Der Kanton machte 2017 mit der Initiative «Prima i nostri!» von sich reden, die einheimische Arbeitskräfte vor dem Konkurrenzdruck aus dem Ausland schützen wollte.

Unsere tieferen Tessiner Löhne sind für Deutschschweizer Lehrer nicht interessant.
Autor: Manuele BertoliTessiner Bildungsdirektor

Doch eine andere Möglichkeit gäbe es nicht, begründet der Erziehungsdirektor den Schritt: «Unsere tieferen Tessiner Löhne sind für Deutschschweizer Lehrer nicht interessant.»

Das Tessin ist schlecht vernetzt

Zu den tiefen Löhnen kommt eine andere Schwierigkeit. Das Tessin ist nicht optimal vernetzt, was Lehrpersonen angeht. Bis vor Kurzem war der Kanton beispielsweise nicht im Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz präsent.

In der Deutschschweiz fehlen selbst Lehrpersonen. Ich denke nicht, dass das Reservoir gross ist.
Autor: Franziska PeterhansZentralsekretärin Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz

Allerdings bleibt es fraglich, ob sich durch eine intensivere Zusammenarbeit mit der Deutschschweiz wirklich zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer für den Südkanton rekrutieren lassen können. Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des ‎Dachverbands, ist skeptisch. «Da sind die Arbeitgeber gefordert.»

Der Kanton Tessin könne zwar auf die Deutschschweiz zugehen. «Aber in der Deutschschweiz fehlen selbst Lehrpersonen und ich denke nicht, dass das Reservoir gross ist.»

Bei höheren Löhnen gibt es kaum Lehrermangel

Seien die Löhne für Lehrpersonen hoch, gäbe es kaum einen Lehrermangel, gibt Peterhans zu bedenken. Das zeige das Beispiel des Kantons Zug mit seinen verhältnismässig hohen Löhnen. Doch dass der Kanton Tessin seine Lehrerlöhne erhöht, ist nicht realistisch.

HeuteMorgen, 09.03.2021, 08:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Jagel Jörg  (chagall)
    Wie leben jetzt schon 23 Jahre im Locarnese. Viele sprechen deutsch, hauptsächlich die Älteren. Bei den mittleren Jahrgängen ist es eine rein Sympathiefrage, ob sie deutsch reden oder nicht. Wenn's aber ums Geld geht, können durchweg alle aufeinmal deutsch....
    Und bei den Schuljahrgängen sieht's noch nicht mal schlecht aus.Sie wissen schon, dass man mit Deutsch weiter kommt, als mit französich,...
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Klar, wenn TI im Ausland auf der Suche nach geeigneten Lehrkräften ist, wird es sich finanziell lohnen. Fertig ausgebildete, oft erfahrene Lehrkräfte können so mit einem ausländischen Diplom gewonnen werden, wobei die Anerkennung der CH-Behörde EDK fehlt. Per Lehrpersonalgesetz erhalten solche Lehrkräfte 75% des CH-Lohnes. Also, ab nach Deutschland, um Lehrpersonal zu suchen. Zudem unterrichten DaZ-Lehrer oft Kleinklassen, was wieder eine Lohnreduktion begründet. Alles nachzulesen im Gesetz.
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Ein innerschweizerischer Lehreraustausch zwischen den Sprachregionen, ähnlich wie das bereits Studierende tun können, wäre möglicherweise ein Motivationsschub und würde dem Zusammenhalt der Schweiz dienen. Dann kommt dann halt der Deutschlehrer im Tessin aus dem Aargau und der Französischlehrer in Graubünden aus dem Jura. Gerade für junge Lehrer, die noch keine familiären Verpflichtungen haben, wäre das eine Aufwertung des Lehrerberufs.