- Die Swissgrid will die Höchstspannungsleitung von Niederwil AG nach Obfelden ZH erneuern.
- Die neue Strecke ist länger, die Strommasten zum Teil höher und die Leitung stärker.
- Die neue Leitung soll den hier bestehenden Engpass im Schweizer Stromnetz beheben.
- Die zwölf betroffenen Gemeinden wollen die oberirdische Leitung bekämpfen.
Der Streit im Aargau dauert schon länger an. Jetzt nimmt er aber wieder Fahrt auf, weil die Stromnetzbetreiberin Swissgrid diese Woche über das Bauprojekt informiert hat. Ab Februar liegt es auf. Tausende Haushalte haben Info-Flyer erhalten.
Die Swissgrid möchte die bestehende 220-Kilovolt-Leitung durchs Reusstal mit einer 380-Kilovolt-Leitung ersetzen. Es geht um einen Engpass auf der Nord-Süd-Stromstrecke von Beznau im Aargau bis ins Wallis. «Hier haben wir noch eine Lücke. Die wollen wir schliessen. Es geht um die Versorgungssicherheit der ganzen Schweiz», sagt Jan Schenk, Mediensprecher der Swissgrid.
Die neue Leitung soll auf 18 Kilometern Länge verlegt werden. Heute verläuft sie auf 17 Kilometern. Das Projekt kostet inklusive Rückbau der alten Leitung 97 Millionen Franken. Diese Kosten müssten alle Schweizer Haushalte über ihre Stromrechnung tragen.
Kabel im Naturschutzgebiet im Boden
Gemeinden und der Kanton Aargau haben schon vor Jahren verlangt, dass die Swissgrid die neue Höchstspannungsleitung in den Boden verlegt. Der Bundesrat hat 2022 entschieden, dass die Leitungen grösstenteils oberirdisch verlaufen sollen.
Höchstspannungsleitungen seien rascher gebaut, begründet der Bundesrat. Deshalb soll die im Aargau geplante Leitung nur auf 4.5 Kilometern in den Boden verlegt werden – im Naturschutzgebiet der Reusslandschaft.
Im Aargau gibt es seit 2020 auf dem Bözberg eine unterirdische Höchstspannungsleitung – die erste in der Schweiz. Aber schon damals warnte die Swissgrid, dass für Erdverkabelungen grosse Übergangsbauwerke benötigt werden, an denen die Kabel in die Erde ein- und austreten. Der Aufwand für die Stabilität der Leitung sei gross. Auch Unterhalt- und Reparaturarbeiten seien aufwendiger.
Hohe Strommasten quer durchs Reusstal
2028 will die Swissgrid mit dem Bau im Reusstal beginnen. Das dürfte mit dem organisierten Widerstand der betroffenen Gemeinden nicht einfach werden. Kritisiert werden die Strommasten, die zum Teil über Hügelzüge oder Landwirtschaftsbetriebe führen.
Die Leitungsmasten werden zwischen 55 und 89 Meter hoch sein. Die hohen Masten ragen über den Wald hinaus, so dass man keine Bäume roden muss.
Als die Höchstspannungsleitungen früher im Reusstal gebaut wurden, führten sie oft noch über Landwirtschaftsfelder. Unterdessen ist die Fläche stärker bebaut.
Stromlücke ab 2032 behoben?
Die Aargauer sind mit ihrem Widerstand nicht allein. Im Kanton Solothurn wehrt sich die Solothurner Regierung aktuell gegen die Streckenführung der geplanten Höchstspannungsleitung von Flumenthal SO nach Therwil BL. Auch im Wallis gab es vor ein paar Jahren Widerstand gegen die geplante oberirdische Stromleitung auf einem Teilstück im Oberwallis.
Die Swissgrid steckt – nicht nur im Aargau – in einem Dilemma. Einerseits will der Bundesrat das Stromnetz rasch ausbauen. Andererseits wehren sich Gemeinden und Kantone gehen hohe Strommasten quer durch die Landschaft.
Der Zeitplan sieht vor, dass die neue Höchstspannungsleitung von Niederwil AG nach Obfelden ZH ab 2032 Strom liefert. Über die Einsprachen, die ab Februar gemacht werden, entscheidet zunächst das eidgenössische Starkstrominspektorat.