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Was braucht die Wirtschaft?
Aus Rendez-vous vom 18.03.2020.
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Corona-Krise in der Schweiz 100 Milliarden sollen Schweizer Wirtschaft retten

Die 10 Milliarden reichen niemals, sagen zwei ETH-Professoren und fordern das Zehnfache.

«Schweizfonds» soll er heissen: Ein Topf mit rund 100 Milliarden Franken. Mit diesem Geld soll der Staat Schweizer (Klein-)Unternehmen und Selbständigen helfen, die Corona-Krise zu überstehen. Das fordern die zwei ETH-Wirtschaftsprofessoren Hans Gersbach und Jan-Egbert Sturm.

«Schweizfonds» als zweite Stütze

Das bisher wichtigste Hilfsinstrument des Bundesrates – die Kurzarbeit – hat sich schon in Krisen bewährt, reicht dieses Mal aber nicht. Denn Unternehmen und Selbstständige stehen plötzlich ohne Einnahmen da, müssen aber Löhne, Mieten und andere Fixkosten weiterzahlen. Unzählige kommen im Nu in existenzielle Zahlungsnöte – Coiffeure, Cafés, Fachgeschäfte stehen plötzlich vor dem Aus.

Staat soll Flugtickets und Hotelbetten kaufen

Der Lösungsvorschlag: Wenn Private als Konsumenten vorübergehend, während der Pandemie-Welle, ausfallen, kann und soll der Staat einspringen. So ähnlich haben es bereits zwei Ökonomen aus den USA vorgeschlagen. Der Staat soll als «buyer of last resort» einspringen.

Wenn also die Konsumentinnen und Konsumenten derzeit keine Flugbillette, Hotelbetten, Pauschalreisen, Kosmetik-Behandlungen, Kleider etc. mehr kaufen, soll der Staat diese Flugbillette und Hotelbetten buchen. So könnten Unternehmen weiterhin ihre Rechnungen, Mieten, Löhne und Sozialabgaben bezahlen.

Pleitewelle wäre gravierend

Der Plan birgt die Gefahr, dass auch ohnehin marode, wacklige Unternehmen künstlich am Leben erhalten werden. Die Ökonomen argumentieren aber, dass eine Pleitewelle von Unternehmen gravierende langfristige Folgen für die Volkswirtschaft hätte. Den Wirtschaftsmotor dann, wenn das Coronavirus unter Kontrolle ist, wieder hochzufahren, wäre kaum noch möglich.

Kommt hinzu, dass früher oder später eine Pleitewelle auch die Banken destabilisieren würde, weil Unternehmen ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können. Der «Schweizfonds» könnte dem Vorbeugen, beispielsweise mit staatlichen Kreditgarantien, Darlehen oder Bürgschaften.

100 Milliarden tönt gut – aber woher kommt das Geld?

Der Schweiz kommt zugute, über gesunde Staatsfinanzen zu verfügen. Das gibt ihr Spielraum, jetzt auch solche unkonventionellen Konzepte ernsthaft zu prüfen. Auch die Schweizerische Nationalbank könnte einen Beitrag leisten, etwa in Form einer Sonderausschüttung, wie es die beiden ETH-Professoren vorschlagen.

Kommt hinzu, dass im Optimalfall die Unternehmen, wenn sie nach überstandener Corona-Krise wieder auf Normalbetrieb herauffahren können, die Staatshilfen zurückzahlen können.

Ungewöhnliche Krisen erfordern ungewöhnliche Massnahmen: Wann soll die Schweiz ihren Trumpf – gesunde Staatsfinanzen – ausspielen, wenn nicht jetzt?

Eveline Kobler

Eveline Kobler

Wirtschaftsredaktorin, SRF

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Eveline Kobler ist seit 2007 bei Radio SRF und leitet seit Dezember 2016 die Wirtschaftsredaktion von Radio SRF.

Rendez-Vous, 18.3.2020, 12:30 Uhr srf/hosb;bern

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Arnold Schlauri  (Arnold Schlauri)
    Wen immer möglich, bleibt zu Hause, so simpel, so wirksam.
    Die Schweiz stuft die Situation als ausserordentliche Lage gemäss Epidemiengesetz ein. Mit Einbezug in der Versicherung Ausfälle bei Epidemien sind alle namhaften Versicherungen zur Zeit nicht bereit Entschädigungen zu zahlen, da es sich um eine Pandemie handelt. Für viele KMU und Familienunternehmungen Handel und Gastronomie bedeutet dies Kampf ums überleben.
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  • Kommentar von Francis Waeber  (Francis Waeber)
    Die Neoliberale pro "Gross" anti "Klein" Politik der letzten drei Jahrzehnte, legt die Befürchtung nahe, dass der Löwenanteil dieser Gelder in Konzerne und überrissene Kader- und Managerlöhne fliessen wird - welche gar nicht darauf angewiesen sind - während den KMU's der Stecker gezogen wird. Das gilt es zu verhindern, wenn aus der Corona Krise nicht schwerste soziale Unruhen resultieren sollen!
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    1. Antwort von Richard Limahcer  (Limi)
      Ein dreimonatiges, temporäres Grundeinkommen würde einige Probleme lösen. Alle, die Firmen, KMU, Arbeitnehmer, Selbstständige und Freischaffende würden entlastet. Die Firmen wären eher bereit Betreuungsferien zu gewähren. Die systemrelevanten Arbeiten würden aus Solidarität zur Gesellschaft und zum Arbeitgeber trotzdem weiter ausgeführt werden.
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  • Kommentar von Benedikt Jorns  (Benedikt Jorns)
    Wie gross darf die Unterstützung sein? Unsere Nationalbank sollte in Absprache mit dem Bundesrat den von der Krise betroffenen Unternehmen in vergleichbarem Rahmen finanzielle Unterstützung geben, wie dies im Durchschnitt in ganz Europa geschieht. Es darf sogar noch ein wenig mehr sein, um den Schweizerfranken etwas näher in Richtung Wertparität im Vergleich zum Euro zu bringen. Die Schliessung von für uns wertvollen Unternehmen muss rasch und unbürokratisch verhindert werden.
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