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Russland droht der Staatsbankrott
Aus Echo der Zeit vom 16.03.2022.
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Krieg in der Ukraine Was passiert bei einem Staatsbankrott Russlands?

Erstmals seit Kriegsbeginn ist eine Zinszahlung fällig. Die Finanzwelt wartet gespannt darauf, ob Russland zahlt. Wenn nicht, droht der Staatsbankrott. Wie wahrscheinlich ist das?

Begleicht ein Land seine Schulden nicht, spricht man von einem Zahlungsausfall. Für Russland hätte so ein Ausfall allerdings keine grossen Auswirkungen, sagt Daniel Hartmann, Chefökonom beim Vermögensverwalter Bantleon. «Eigentlich passiert dann erst einmal nichts. Es wird einem praktisch der Weg vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten durch so einen Zahlungsausfall, weil die Gläubiger natürlich kein Vertrauen mehr in diesen Schuldner haben.»

Aber durch die Sanktionen des Westens habe Russland ja sowieso schon keinen Zugang mehr zu den internationalen Kapitalmärkten und könne dort keine neuen Schulden mehr aufnehmen, so Hartmann. Nun muss Russland 117 Millionen US-Dollar an Zinsen für ausländische Schulden zahlen. Das ist ein vergleichsweise kleiner Betrag, denn in den nächsten Wochen stehen weitere Zinszahlungen an, aber auch Schulden in Form von Anleihen, die Russland zurückzahlen muss – in Milliardenhöhe.

Bleibt nur der inländische Kapitalmarkt

Sogar wenn Russland seine Zinsen und Schulden in den nächsten Tagen und Wochen bezahlen kann: Die Wahrscheinlichkeit steige, dass Russland bald das Geld fehle und das Land bankrott gehe, sagt Hartmann. Denn langfristig komme Russland nicht ohne frisches Kapital aus dem Ausland aus. «Wenn der Staat jetzt Geld benötigt, dann muss er es vor allem übers Inland machen.» Das heisst, er muss bei Inländern Geld einsammeln.

Auch Russinnen und Russen werden sich zunehmend schwertun, dem Staat Geld zur Verfügung zu stellen.
Autor: Daniel Hartmann Ökonom

«Aber auch die werden sich zunehmend schwertun, dem Staat Geld zur Verfügung zu stellen.» Dies, weil auch Russinnen und Russen ihr Geld vielleicht lieber in Gold anlegen würden, als dem unter harten Sanktionen leidenden russischen Staat zu leihen. Russland könnte sich zwar noch am chinesischen Kapitalmarkt frisches Geld besorgen, doch der sei verglichen mit den westlichen Kapitalmärkten noch immer relativ klein.

Keine Folgen für weltweite Finanzwelt

Russland wird also je länger je mehr Mühe haben, sich mit neuem Kapital einzudecken. So könnte aus einem Zahlungsausfall rasch ein Staatsbankrott werden. Aber selbst mit einem russischen Staatsbankrott würde sich nicht viel ändern, weil das Land ja schon weitgehend von den internationalen Güter- und Finanzmärkten abgeschnitten ist.

Auch für die restliche Welt hätte ein russischer Staatsbankrott keine weitreichenden Folgen, sagt Oliver Holtemöller, Ökonom an der deutschen Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg. «Für die Stabilität des weltweiten Finanzsystems sehe ich bei einem Zahlungsausfall Russlands jetzt keine grösseren Probleme.»

Die russische Wirtschaft wird auf Jahre hinweg durch die Sanktionen und die Folgen des Krieges beeinträchtigt.
Autor: Oliver Holtemöller Ökonom

An den Finanzmärkten könnte es zwar kurzfristig zu grösseren Kursschwankungen kommen. Aber insgesamt dürften die Auswirkungen klein bleiben, so Holtemöller. Für Russland hingegen seien die wirtschaftlichen Folgen mit oder ohne Staatsbankrott verheerend.

«Die russische Wirtschaft wird auf Jahre hinweg durch die Sanktionen und die Folgen des Krieges beeinträchtigt. Das ist nichts, was sich in Kürze wieder aufholen liesse», sagt der Ökonom. Knappe Güter, steigende Preise, Unternehmen und allenfalls Banken, die Konkurs gehen könnten: Russland dürfte noch einige Jahre ein Staat bleiben, der mit massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat.

Echo der Zeit, 16.03.2022, 18:00 Uhr

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