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Mini-AKWs sollen die grossen Atomkraftwerke ablösen
Aus SRF 4 News aktuell vom 25.05.2021.
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Strom aus Atomreaktoren Mini-AKW sollen die Atomenergie retten

Verschiedene Unternehmen entwickeln Mini-Atomreaktoren. Ob sie dereinst das Klimaproblem mitlösen, bleibt aber höchst ungewiss.

Darum geht es: Rolls Royce entwickelt seit 2015 Mini-Atomkraftwerke, sogenannte Small Modular Reactors (SMR). Das eigentlich für Flugzeug-Triebwerke bekannte Unternehmen rechnet damit, dass mit den SMR schon bald Energie-Engpässe überbrückt werden könnten – wenn die alten AKW dereinst abgestellt sind und im Winter die Sonne zu wenig scheint, um den Strombedarf mit Solarzellen zu decken. Rolls Royce will bis 2035 zehn solcher SMR in Grossbritannien in Betrieb nehmen. Auch andere Unternehmen weltweit forschen an SMR und hoffen auf ein Geschäft in den nächsten Jahrzehnten.

Das ist speziell an SMR: Bislang entwickelte Prototypen der Mini-AKW haben eine Leistung von gut 25 Megawatt, das ist rund 40 Mal weniger als das neueste Schweizer AKW in Leibstadt mit einer Leistung von gut 1000 Megawatt. Dereinst sollen SMR aber bis zu einem Drittel der Leistung eines Gross-AKWs erreichen können. Die Mini-Atomreaktoren sollen viel billiger und sicherer werden als heutige AKW – weil sie in Serie gebaut werden sollen. «Laut den Forschern, die an SMR arbeiten, ist die Wahrscheinlichkeit eines GAUs («grösster anzunehmender Unfall») deutlich kleiner als bei den heutigen AKW», sagt dazu SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann.

Kaum neue AKWs in der Schweiz

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Kaum neue AKWs in der Schweiz

Die Schweiz will bis 2050 netto Null Klimagase ausstossen – und zudem die AKW ausser Betrieb nehmen. «Gemäss einigen Berechnungen kann die Schweiz den Wegfall der Atomkraftwerke bis Mitte der 2030er-Jahre problemlos mit den neuen erneuerbaren Energien decken», sagt SRF-Energiefachmann Klaus Ammann. Gemäss anderen Berechnungen seien Gas-Kombikraftwerke nötig, um Strom-Spitzennachfragen im Winter decken zu können. Für Ammann ist aber klar: «Kernkraft hat in der Schweiz bei allen Berechnungen nur einen sehr geringen Stellenwert.» Kommt hinzu: 2017 beschloss das Schweizer Stimmvolk, dass keine neuen AKWs mehr gebaut werden dürfen.

Deshalb ist Kernenergie wieder interessant: Strom aus Atomreaktoren hat eine relativ gute CO2-Bilanz. So fallen zwar beim Abbau und Transport des Spaltmaterials (meist Uran) und beim Bau des Kraftwerks Klimagase an, ebenso beim Abbruch der Anlage sowie bei der Lagerung des radioaktiven Abfalls. Während der Stromproduktion im Atomreaktor selber entsteht jedoch kein CO2. Die Internationale Energieagentur rechnet denn auch damit, dass der Anteil des mittels AKWs produzierten Stroms auch 2050 noch bei etwa zehn Prozent liegen wird – wie schon heute. Ein weiterer Vorteil von Atomstrom: AKWs liefern regelmässig Strom – auch im dunklen Winter oder an windstillen Tagen.

Das spricht gegen SMR: Die Abkehr von der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl oder Erdgas muss sehr schnell gehen, wenn die Menschheit die Klimawende schaffen will. Die SMR sollen aber allerfrühestens in 15 Jahren in Serienproduktion gehen – «und in der Zwischenzeit wird die alternative Energieproduktion weiter immer günstiger», betont der SRF-Energiespezialist Ammann. Schon heute ist im globalen Schnitt der Strom, der in den bestehenden AKWs produziert wird, meist teurer als jener aus neuen Wind- und Sonnenkraftwerken. Zudem besteht das erwähnte Risiko eines verheerenden Atomunfalls. Auch ist weiterhin unklar, wie und wo der radioaktive Abfall über Jahrtausende gelagert werden soll. Viele Umweltschützende sehen in der Atomenergie deshalb keine Zukunft.

So stehen die Chancen für SMR: «Sollten bei der Speicherung des Stroms aus Wind und Sonne in den nächsten Jahren grössere Fortschritte erzielt werden, dann wird es für die Kernkraft wirtschaftlich noch schwieriger als heute», sagt Ammann. Er glaubt deshalb nicht so recht an eine grosse Zukunft für SMR. Wahrscheinlicher sei, dass die bestehenden AKWs möglichst lange weiterbetrieben würden. «Das kommt zwar immer noch teurer als alternativ hergestellter Strom, ist aber noch die kostengünstigste Variante, um die Atomkraft mittelfristig am Laufen zu halten.»

SRF 4 News, 25.05.2021, 06:50 Uhr;

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182 Kommentare

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  • Kommentar von Claude Ryf  (clauderyf)
    Durch das starke Bevölkerungswachstum, den Umstieg von Benzin- auf Elektroautos und von Ölheizungen auf elektrische Wärmepumpen, wird der Strombedarf in der Schweiz in den nächsten Jahren massiv steigen. Gleichzeitig werden die Atomkraftwerke abgeschaltet und es wird nur wenig Windkraft und Photovoltaik zugebaut, die in der Nacht oder im Winter auch nicht genug Strom liefern könnte. Der Import von Strom wird teurer, wenn überhaupt verfügbar, da es in ganz Europa eine ähnliche Entwicklung gibt.
    1. Antwort von Christoph Rebholz  (Charlie Romeo)
      Würde man aus dem beim Wechsel zu Wärmepumpen und Elektromobilität eingesparten Öl und Benzin Strom produziert, würde deutlich weniger fossile Energie benötigt als bei der direkten Verbrennung in Heizungen und Motoren und entsprechend viel CO2 würde eingespart. Eine politisch heute unkorrekte Sichtweise, aber eine pragmatische, welche zu deutlich geringeren Treibhausgase Missionen führen würde.
    2. Antwort von Norbert Zeiner  (ZeN)
      C.Ryf: Diese "Was grad an Strom fehlt importieren wir dann"-Strategie fahren alle, die weiter massiv subventioniert das Heil in Windkraft und Solar sehen, und gleichzeitig bewährt Funktionierendes abschalten wollen. Braucht wenig Fanatsie dass dies zu Blackouts fürht, wenn jeder vom anderen glaubt, er springe dann schon in Lücke und Kapazitäten dafür selber noch abbaut. Zur Erinnerung: Strommangellage hat nach BaBS noch drastrische Folgen wie Pandemie, Eintreffwahrschleinlichkeit steigt ständig.
  • Kommentar von Pascale Schmid  (Blasius)
    Immer noch nichts aus der Vergangenheit gelernt!?! Haben wir schon ein Endlager?
    Ah ja stimmt: Sollen sich doch die nächsten Generationen damit befassen, Hauptsache wir können in Saus und Braus weiterleben! Bravo
    1. Antwort von Tim Mertens  (Tim Mertens)
      Der einzige Grund wieso wir noch kein Endlager haben ist, weil Herr und Frau Schweizer sofort klagen, wenn dieses im Umkreis von 50km von ihrem Wohnort ist. Nach dem Prinzip "nicht gefährlich aber bitte trotzdem nicht bei mir"
  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    International lässt sich ein Ausbau der Kernenergie beobachten. Derzeit sind global 54 Kernkraftwerke im Bau. Allein zwölf davon in China und sieben in Indien. Projektiert sind 119 Anlagen, gut die Hälfte davon in China (42) und Indien (20). Diese Länder gehören global zu den grössten Emittenten von CO2. Eine spürbare Reduktion ihrer Emissionen kann nur über einen Ausbau der Kernenergie erreicht werden.