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Es braucht einen Prozess für die Regeln der Verteilung
Aus SRF 4 News aktuell vom 03.08.2020.
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Weltweit fehlen Coronatests «Roche steht in der moralischen Pflicht»

Roche will die Lizenzen für ihre Coronatests nicht freigeben – obschon weltweit massiv Testkapazitäten fehlen. Der Basler Pharmakonzern sollte sich mit anderen Pharmafirmen austauschen und Hand bieten, um das Problem zu lösen, sagt die Bio-Ethikerin Nikola Biller-Andorno.

Nikola Biller-Andorno

Nikola Biller-Andorno

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Nikola Biller-Andorno ist ordentliche Professorin für biomedizinische Ethik, Link öffnet in einem neuen Fenster an der Universität Zürich. Sie leitet dort das Institut für biomedizinische Ethik und Medizingeschichte.

SRF News: Wie sollte Roche aus medizinisch-ethischer Sicht mit dem Problem der fehlenden Coronatests umgehen?

Nikola Biller-Andorno: Wenn die Tests für die Bewältigung der Coronakrise wirklich eine wichtige Rolle spielen, kann man erwarten, dass Roche an der Lösung des Problems mitarbeitet. Auch steht der Konzern in dem Fall in einer moralischen Pflicht. Wie genau das Problem aber gelöst werden soll – ob Roche dafür Produktionslizenzen an andere Firmen vergeben soll –, ist eine andere Frage.

Roche beliefert derzeit langjährige Kunden und solche, welche die Tests dann auch rasch einsetzen, zuerst. Ist eine solche Bevorzugung moralisch vertretbar?

Weil Roche derzeit nicht alle beliefern kann, braucht die Firma logischerweise Kriterien, nach denen sie das macht.

Roche sollte einen Plan zur Ausweitung der Produktion der Tests ins Auge fassen.

Allerdings sollte Roche jetzt mit anderen Akteuren aus der Pharmabranche einen Plan zur Ausweitung der Produktion der Tests ins Auge fassen. So könnten gemeinsame Standards der Belieferung definiert werden, die gemeinsam geprüft und für gut befunden würden.

Warum tun sich Pharmafirmen so schwer mit solchen Fragen?

Bislang ist diese Problematik kaum vorgekommen. Die Frage, wem ein Pharmaprodukt verkauft werden soll, stellt sich in dieser Form erst seit kürzerem. Um diese Probleme zu lösen braucht es auch externe Beratung, etwa durch Ethiker, damit man über individuelle Lösungen für einzelne Firmen hinausgehen kann.

Autokolonnen auf grossem Platz.
Legende: Immense Nachfrage nach Coronatests: Warteschlange bei Los Angeles. Reuters

Manche Medikamente im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind knapp geworden, und auch über die Verteilung eines möglichen Impfstoffs wird bereits jetzt gestritten. Nach welchen Kriterien sollte man diese knappen Güter verteilen?

Die WHO ist derzeit daran, einen solchen Prozess der globalen Konsultation zu führen. Es geht dabei darum herauszufinden, welche Prinzipien relevant sind: Nutzenmaximierung? Gleichheit? Bedürftigkeit? Wenn es dann konkret wird, kann man da durchaus zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Deswegen sind in den Diskussionen um die Verteilungsgerechtigkeit nicht nur die Prinzipien wichtig, sondern auch der faire Prozess.

Es braucht einen transparenten Diskurs, an dem möglichst alle Betroffenen beteiligt sind.

Dieser sieht einen Diskurs vor, an dem möglichst alle Betroffenen beteiligt sind, damit sie mit dem, was am Ende beschlossen wird, leben können. Der Diskurs muss transparent sein und die Beteiligten müssen dazu bereit sein, die eigenen Interessen zunächst zurückzustellen. Es geht also um die übergeordnete ethische Aufgabe: Wie können diese knappen Güter am besten verteilt werden? Zugleich geht es nicht darum, wie man selber aus dem Prozess den grössten Gewinn schlagen kann. Um diesen fairen Prozess werden wir in nächster Zeit nicht herumkommen.

Das Gespräch führte Janis Fahrländer.

SRF 4 News aktuell vom 03.08.2020, 10.03 Uhr;

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Vetterli  (KlingWe)
    Wer forscht hat Kosten, die sollen zuerst einmal erwirtschaftet werden. Denn, sollte der Herstellprozess an Dritte abgegeben werden, wird der Marktpreis sehr schnell sinken! Und Roche wird nicht mehr mithalten können.
    Glaubt irgend jemand dass nach finden einer Impfung diese Rezeptur an Dritte weitergegeben werden wird. Wohl kaum, denn siehe oben. Also weshalb soll ein Privatunternehmen seine Forschungsergebnisse preigeben. Das Gesundheitswesen unterliegt auch der Marktwirtschaft.
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    1. Antwort von Daniel Altorfer  (geni)
      Nur weil es ein Privatunternehmen ist sollen Risikopatienten auf eine Impfung warten müssen und womöglich sterben? Gesundheitswesen = Marktwirtschaft? Sicher nicht bei einer solchen Situation. Dann sollen die Staaten dem erfolgreichen Unternehmen die Entwicklungskosten berappen. Genau dies passiert ja schon. Und dann muss der Impfstoff freigegeben werden. Und zwar ohne Einschränkungen. Alles andere ist asozial.
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    2. Antwort von Hans Klein  (HansKlein)
      Dann soll die Firma ihre Kosten genau nachweisen, Boni für Manager inklusive, und dann kann das Volk ja abstimmen, ob es den Preis z.B. aus Steuermitteln bezahlen oder die Firma im Interesse der Gesundheit Aller enteignen will. Warum sollen privatwirtschaftliche Profite ÜBER Leben und Gesundheit von Millionen Menschen stehen? Aber aus Gesundheit ein Geschäft zu machen, ist sowieso krank. DAS müsste man endlich ändern!
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    3. Antwort von Andreas Würtz  (Andhrass)
      Kommen Sie mir nicht mit Forschungskosten. Die Pharmafirmen geben massiv mehr Geld für Werbung aus als für Forschung. Die hohen Medikamentenpreise begründen sie dann jeweils mit Forschungskosten. Zur Zeit erhalten sie auch noch viel staatliche Unterstützung für ihre Corona-Forschungen. Und moralisch sind sie ebenfalls verpflichtet, die rasche Produktion über den satten Gewinn zu stellen. Ob sie wohl dazu noch fähig sind?
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  • Kommentar von Daniela Sene  (DanSe)
    Es ging seit Beginn nicht um die Menschen und ihre Gesundheit. Sonst hätte man mit den tausenden Milliarden, die bis jetzt im Namen Coronas weltweit ausgegeben wurden wesentlich effektivere Dinge tun können. Der Armutsanstieg weltweit ist durch die Massnahmen gigantisch. Die Schäden überwiegen den Nutzen um ein Vielfaches! Das Ganze braucht aber die skrupellose Pharmaindustrie, allen voran Roche ja nicht zu interessieren - der Testrubel rollt! Vorteil von weniger Tests: weniger Falschpositive!
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  • Kommentar von Benedict Schweizer  (Benedict)
    "Wenn die Tests für die Bewältigung der Coronakrise wirklich eine wichtige Rolle spielen, kann man erwarten, dass Roche an der Lösung des Problems mitarbeitet." Genau hierin liegt die Lösung. Die Pharmakonzerne wissen um die Ungefährlichkeit des Virus selbst. Sie wissen, das die Pandemie auf einer Testepidemie (Falsch-Positive Tests aufgrund einer Testschwemme) basiert und müssen sich betreffend Austausch die moralische Frage gar nicht stellen, was der Journalist anhand seiner Worte erkannt hat.
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    1. Antwort von Valentin Haller  (Projektionsfläche)
      Sie bezeichnen ein Virus, das innerhalb eines halben Jahres weltweit gegen 700‘000 Menschen das Leben gekostet hat, allen Ernstes als ungefährlich? Sind diese Todesfälle auch bloss ein Resultat Ihrer herbeikonstruierten „Testepidemie“?

      Manche Kommentare hinterlassen einen sprach- und fassungslos. Ihrer ist einer davon.
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