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Novartis: Wenn das Losglück über Leben und Tod entscheidet
Aus Echo der Zeit vom 29.01.2020.
abspielen. Laufzeit 05:35 Minuten.
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Zolgensma von Novartis Wenn das Losglück über Leben und Tod entscheidet

Nur in den USA kann Zolgensma verschrieben werden. Unter allen anderen verlost Novartis 100 Gratistherapien. Ist das fair?

Als Lea letzten Oktober zur Welt kam, ahnten ihre Eltern noch nicht, welches Wechselbad der Gefühle sie durchlaufen werden. Denn Lea schien wie ein gesundes Kind mit etwas wenig Muskelkraft. Doch mit den Feiertagen kam die Gewissheit. Es ist SMA, eine seltene Krankheit, bei der die Muskeln schwinden.

Nun hofft ihre Mutter Helen Bossi auf die neueste Therapiemöglichkeit mit Zolgensma. Novartis verlost in einem Härtefallprogramm 100 Therapien an Eltern ausserhalb der USA. «Wir haben unserem Arzt gesagt, er soll uns dort so schnell wie möglich anmelden, damit wir in den Topf kommen», sagt sie.

Eine Frage der Kapazitäten

Nun muss die Familie auf die Verlosung warten. Doch warum verlost die Pharmafirma überhaupt Therapien? Der Verein Ethik und Medizin (VEMS) etwa vermutet, dass das Unternehmen die Produktionsstätte für Therapien von zahlenden Kundinnen und Kunden freihalten will und das Los als kostenloses Programm anpreist. Gemäss Novartis ist genau das Gegenteil der Fall.

Zulassung nur in den USA

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Packung des Medikaments
Legende:AP/Novartis

Mit Zolgensma behandelt man eine seltene Muskelschwundkrankheit bei Kleinkindern. Weltweit betroffen sind jährlich etwa 13'500 Neugeborene. Die neuartige Gentherapie lässt Betroffene hoffen. Babys, die sonst eine Lebenserwartung von wenigen Jahren haben, könnten sich dank Zolgensma zu gesunden Kindern entwickeln. Die Gentherapie kostet allerdings etwa zwei Millionen Franken. Zugelassen ist sie bisher nur in den USA. Nur Kinder in den USA haben also die Möglichkeit, dieses Medikament auf regulärem Weg zu bekommen.

Das Los entscheide, weil die Produktionskapazitäten der extrem teuren Therapien beschränkt seien. Auch Dave Lennon, Präsident des Unternehmens Avexis, das Zolgensma entwickelt hat und inzwischen zu Novartis gehört, sagt, das Los sei bei beschränkten Kapazitäten die fairste Möglichkeit.

Video
Zolgensma – die teuerste Therapie der Welt
Aus Tagesschau vom 29.01.2020.
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Magdalena Hoffmann, Leiterin des Studiengangs Philosophie und Medizin an der Universität Luzern, sagt, ein Los könne tatsächlich fair sein: «Aber die Bedingung dafür müsste sein, dass inhaltliche Entscheidungskriterien tatsächlich nicht gegeben sind. Da kann man sicher ein Fragezeichen machen.»

Inhaltliche Kriterien zu berücksichtigen, das hiesse, es würde geschaut, welche Patientinnen und Patienten die Therapie am nötigsten hätten.

Eine Frage der Dringlichkeit

Dave Lennon sagt, Dringlichkeiten seien bei dieser Krankheit kaum zu unterscheiden. Innerhalb der Gruppe der Patienten – Babys und Kleinkinder von bis zu zwei Jahren – sei es schwierig, die Dringlichkeit auszumachen. Denn für jedes Baby könne die Krankheit lebensbedrohlich sein.

Die Patientenorganisation SMA Schweiz versucht dennoch über ihre europäische Organisation anzuregen, dass die einzelnen Therapien mit Zolgensma handverlesen verteilt werden. Ob Lea davon profitieren wird? Diese Frage wird sich kaum stellen, weil Novartis am Losverfahren festhält.

Info 3, 29.01.2020, 17 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Wenger  (Patrique)
    Schade das die Kommentare nur negativ sind eine Firma verschenkt 100 mal ca. 2 Millionen und alle nörgeln nur Rum. Ich finde die höhe des Preises auch nicht ok und bin überzeugt dass billiger verkauft werden könnte aber wenn das Medikament 1 Million kosten würde wer`s in den Augen vieler immer noch zu teuer. Ich gehe mal davon aus das die Forschung halt schon auch Ihren Preis hat um solche Medikamente zu entwickeln.
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    1. Antwort von René Balli  (René Balli)
      Wenn nach Bezahlung der besten Löhne und hohen Bonis in jedem Quartal noch Milliarden Gewinne übrig bleiben, ist die Forschung wahrscheinlich nicht so teuer wie dies immer wieder behauptet wird. Für den Umweltschutz, von welchem wir alle profitieren würden, wird jeder Franken auf die Goldwage gelegt! Ich glaube ganz fest, dass wir den gesunden Menschenverstand verloren haben und nicht mehr im Stande sind, relativieren zu können, was für uns in der Zukunft wirklich relevant ist!
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    2. Antwort von Patrick Wenger  (Patrique)
      Mal angenommen die Pharmamultis würden keine Milliardengewinne machen, von was sollten Sie dann im nächsten Jahr die Rechnungen für Forschung und Entwicklung, die teuren Bodenpreise der Schweiz und die vielen Forschenden bezahlen die vielleicht auch Ihnen schon mal das Leben gerettet haben, in dem Sie als Beispiel Antibiotika zur Behandlungen einer Entzündung erhalten haben.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Unermessliche, skrupellose Habgier und damit Allmacht der weltweiten "Pharma-Lobby", wird von jeher von ebenso habgierigen "Profiteuren" dieser unterstützt, gefördert! Wer, von den polit. Parteien in der Schweiz, nehmen wohl grosszügige Spendengelder entgegen? Wer von den vielen Zuständigen (Forschung, BAG, BLW, Gesundheits-Direktoren, Parlamentarier, Medizin, Spitäler, Kliniken, Heime, Krebs-Liga,...?) im gesamten "Gesundheits-Un-Wesen", kassiert ebensolche "Gelder"? Vetternwirtschaft?
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  • Kommentar von Susanne Saam  (Biennoise)
    Die Politik hat das Primat über die Wirtschaft schon lange verloren. Grosskonzerne bestimmen unser Leben, unseren Alltag. An diesem Beispiel sieht man gut, dass das Ziel, den Kapitalismus zu überwinden, sinnvoll ist. Und nein, es gibt als Alternative nicht nur den Kommunismus, der real ein Staatskapitalismus war. Die Spezies Mensch müsste sich weiterentwickeln, und dies nicht nur technisch! Ob wir die Zeit noch haben?
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