«Hallo SRF!», warum braucht es überhaupt Faktenchecks?
Tristan Brenn, Chefredaktor Video: Weil Falschinformationen – egal ob absichtlich oder aus Versehen verbreitet – Gift sind für eine funktionierende Gesellschaft und Demokratie. Sie untergraben das Vertrauen in Journalismus, in die Politik, in die Wissenschaft, aber auch das Vertrauen zwischen den Menschen. Besonders auf Social Media mischen sich echte Inhalte mit Fake News. Wenn wir Fakten überprüfen, tragen wir unseren Anteil dazu bei, wieder Vertrauen zu schaffen und Gewissheiten zu vermitteln.
Was genau macht das SRF Netzwerk Faktencheck?
Das Netzwerk Faktencheck ist eine Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die vertiefte Kenntnisse haben beim Aufspüren von Falschinformationen. Das Netzwerk wird dann aktiv, wenn ein Bild, ein Video oder eine Behauptung in einem Text verdächtig erscheint und die Echtheit nicht eindeutig verifizierbar ist.
Das Team unterstützt Redaktionen mit vertiefter Recherche, prüft User-Videos, klärt Herkunft, Datum und Kontext – und stellt die Erkenntnisse allen SRF-Formaten zur Verfügung.
Wie funktioniert ein Faktencheck ganz konkret?
Je nach Fall kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz – zum Beispiel:
- Bilderrückwärtssuche: Wo und wann wurde ein Bild zuerst veröffentlicht? Das kann Aufschluss darüber geben, ob ein Bild, das angeblich ein aktuelles Ereignis zeigt, etwa einen Terroranschlag, nichts damit zu tun hat und schon viel früher aufgenommen wurde.
- Geolokalisierung: Ist der Ort plausibel? Gibt es Wiedererkennungsmerkmale im Bild? Stimmen Wetter, Sprache, Dialekt, Kleidung oder Lichtverhältnisse zur angeblichen Situation?
- Personensuche: Ist das Social-Media-Profil echt? Oder gibt es Indizien, dass es ein Fake-Profil ist? Dann ist die Chance gross, dass auch der Inhalt gefälscht ist.
Falschinformationen untergraben das Vertrauen in Journalismus, in die Politik, in die Wissenschaft, aber auch das Vertrauen zwischen den Menschen.
Was sind die grössten Herausforderungen beim Faktencheck?
Ein starker Trend sind künstlich erzeugte Bilder und Videos. Künstliche Intelligenz macht es heute auch einem Laien möglich, täuschend echte Inhalte zu produzieren – Gesichter, Gebäude, Video-Aussagen von Personen, ganze Handlungen. Manchmal verraten sich solche Bilder durch Details: unscharfe Ränder, unnatürliche Finger, falsche Schatten. Diese Tools werden aber immer besser, und es wird immer schwieriger, Echtes und Falsches voneinander zu unterscheiden.
Und trotzdem: Manchmal reicht auch der gesunde Menschenverstand. Wer sich fragt: «Kann das überhaupt stimmen?», «Passt das zusammen?», ist schon mitten im eigenen Plausibilitätscheck. Denn kritisch denken – das können wir alle.