Wer darf hoffen, wer nervt – und wie steht es um die Schweizer Chancen dieses Jahr? Der Wiener ESC im Überblick.
Die Fan-Lieblinge
Finnland gilt als Top-Favorit: Seit Mitte Februar halten sich die Nordeuropäer mit «Liekinheitin» auf Platz 1 der Wettquoten. Es wäre der zweite finnische Sieg in der ESC-Geschichte – genau 20 Jahre nach Lordis «Hard Rock Hallelujah».
Auffällig: Fast alle favorisierten Beiträge sind in ihrer Landessprache – neben Finnland auch Dänemark, Frankreich und Griechenland. Letztere haben sich mit «Ferto» zuletzt zum Geheimfavoriten entwickelt.
Die Enttäuschungen
In der österreichischen Nominierung von Sänger Cosmó mit «Tanzschein» sehen eingefleischte ESC-Fans einen Beweis für die beliebte Theorie, dass das Austragungsland einen erneuten ersten Platz jeweils möglichst abwenden möchte.
Das hätte jedenfalls geklappt: Aktuellen Umfragen zufolge muss sich der ORF keine Gedanken um eine erneute Durchführung der grössten Musikshow der Welt im kommenden Jahr machen.
Genauso wenig wie Estland, die mit Vanilla Ninja ins Rennen gehen. Ja, genau die Vanilla Ninja, die 2005 den achten Platz für die Schweiz holten – nachdem die Eidgenossenschaft zehn Jahre lang nur auf den hintersten Rängen zu finden war.
Auf diesen werden sich die Estinnen jedoch 2026 wohl selbst wiederfinden. Ihr gar-nicht-mal-so-epischer Beitrag «Too Epic To Be True» sorgt bei den Fans im Gegensatz zum ersten Anlauf nicht für «Cool Vibes».
Für Enttäuschung aus moralischer Perspektive hat in diesem Jahr Rumäniens Beitrag «Choke Me» gesorgt. Im erotisch aufgeladenen Liedtext singt Alexandra Căpitănescu wörtlich: «Geboren, damit du mich beherrschst. Ich will, dass du mich erstickst».
Trotz daraus entstandener Kontroverse rund um eine mögliche Verherrlichung sexueller Gewalt: Die Wettbüros räumen dem Beitrag intakte Chancen auf eine gute Platzierung ein.
Die möglichen Überraschungen
Erste Bilder von Proben deuten darauf hin, dass Frankreich auch 2026 wieder auf Sieg spielt. Schon seit einigen Jahren wird vermutet, dass sich Präsident Emmanuel Macron dieses Ziel auf die Fahne geschrieben hätte. «Regarde !» von Monroe soll jedenfalls mit einer starken Bühneninszenierung aufwarten.
Als Aussenseiter mit Überraschungspotenzial wird Bulgariens «Bangaranga» gehandelt – ein orientalisch angehauchter Dance-Pop-Song mit stampfendem Beat und sogenanntem «Dance Break».
Diese schon unzählige Male auf der ESC-Bühne gekochte musikalische Rezeptur schmeckt den Fans längst nicht jedes Mal. Wenn jedoch ein Nerv getroffen wird, dann geht‘s ganz weit nach vorne, wie beispielsweise Zyperns «Fuego», Israels «Unicorn» oder Spaniens «SloMo» mit ihren Top-3-Platzierungen zeigten.
Die Schweizer Chancen
Veronica Fusaro tritt mit «Alice» im zweiten Halbfinale an. Die Einschätzungen gehen auseinander: In Fan-Umfragen liegt die Schweiz meist im Mittelfeld, ein Blick auf die Wettquoten ist jedoch eher ernüchternd. Ein Finaleinzug ist möglich, jedoch alles andere als gesichert.
Die neuen Regeln
Mehrere Regeländerungen sollen für mehr Fairness sorgen. Neu darf das Publikum pro Voting-Methode nur noch zehn Stimmen pro Person abgeben – bisher waren es 20.
Zudem geben die Länder-Jurys nun auch in den Halbfinals wieder ihre Stimmen ergänzend zum Publikumsvoting dazu, anstatt nur im Finale berücksichtigt zu werden.
Strengere Regeln sollen zudem die intensive Promotion einzelner Beiträge, beispielsweise durch staatlich gestützte Social-Media-Werbekampagnen, verhindern.