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«Arena» zur aktuellen Weltlage Umgang mit US-Präsident Trump spaltet Schweizer Politik

Wie soll die Schweiz auf Donald Trumps Machtansprüche reagieren? Vor dem WEF-Besuch des US-Präsidenten nimmt die Debatte über die Rolle der Schweiz in der neuen Weltordnung Fahrt auf. Politisch umstritten ist insbesondere, mit welchen Partnern die Schweiz wie eng zusammenarbeiten soll.

Proteste im Iran, eine kriselnde Nato und ein US-Präsident, der die Welt neu ordnet: Die Schweizer Aussenpolitik steht angesichts der zahlreichen Konfliktherde unter Druck. FDP-Nationalrätin Maja Riniker konstatiert: «Seit Trumps zweiter Amtszeit gelten neue Regeln.» Der US-Präsident – gemäss Riniker ein «populistischer Kärli» – betreibe mit Macht eine komplett neue Art der Aussenpolitik.

Die Gäste in der «Arena»:

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Ausserdem im Studio:

  • Saghi Gholipour, Mitgründerin «Free Iran Switzerland»

Auch SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf findet die aktuelle weltpolitische Situation «bedenklich». Zwar hätten die USA schon früher imperialistische Züge gehabt, doch nun foutiere sich Trump komplett um das Völkerrecht. Die Zürcherin spielt unter anderem auf die US-Intervention in Venezuela an. Vor knapp zwei Wochen liess Donald Trump den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro festnehmen. Für Völkerrechtsexperten ist klar: Mit dieser Aktion haben die USA das Völkerrecht verletzt.

Die Eingriffe der USA als Weltpolizist findet SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel falsch. Es sei nicht gut, dass Trump in anderen Ländern interveniere. Auch Grünen-Ständerat Mathias Zopfi kritisiert das völkerrechtswidrige Vorgehen der USA: «Das macht die Welt unsicherer.»

Trump und seine Machtpolitik

Sorgen bereitet den anwesenden Politikerinnen und Politikern auch der Machtanspruch der USA in Grönland. Als Teil Dänemarks gehört Grönland – genau wie die USA – zum Verteidigungsbündnis Nato. Was würde ein Konflikt zwischen zwei Nato-Mitgliedstaaten für die Schweiz bedeuten? Die Aargauerin Maja Riniker warnt: «Wenn das Bündnis zerbricht, würde Europa massiv unsicherer werden.» Die Schweiz müsse deshalb ihre Kooperationen mit den europäischen Partnern weiter ausbauen.

Dem pflichtet Seiler Graf bei: «Wir können uns schlicht nicht selbst verteidigen. Wir müssen Partner suchen, die unsere Werte teilen.» Weil das bei den USA im Moment nicht der Fall sei, müsse der Fokus auf Europa liegen. Für Büchel kommt das nicht in Frage. Er plädiert dafür, dass die Schweiz unabhängig von anderen Staaten für ihre Sicherheit sorgt und ihre Verteidigung stärkt.

Kommende Woche wird der US-Präsident am Weltwirtschaftsforum in Davos erwartet. Von linker Seite kamen zuletzt Stimmen auf, die Trump die Einreise in die Schweiz verweigern wollen. Diese Forderung sei «völliger Unsinn», sagt Büchel.

Mathias Zopfi betont derweil, es sei wichtig, dass die Schweiz am WEF gegenüber Trump die «Dinge klar benennt». Und Seiler Graf ergänzt, die Schweiz solle klare Kante zeigen und an das Völkerrecht erinnern: «Wir sollten selbstbewusst auftreten.»

Massive Proteste im Iran

Seit Wochen protestiert die iranische Bevölkerung gegen das Regime von Ali Chamenei. Die Menschen gehen landesweit auf die Strassen – und werden von den Sicherheitskräften brutal zurückgedrängt. Die Schweiz ist im Iran als Schutzmacht der USA tätig. Diese Rolle sei wichtig, sind sich die Gäste der «Arena» einig.

Die Vermittlerrolle der Schweiz sei in diesen Zeiten sehr gefragt. Riniker und Büchel erinnern daran, dass Diplomatie leise geschehe, also hinter den Kulissen. Derweil fordern Zopfi und Seiler Graf, dass die Schweiz die Zivilbevölkerung im Iran stärker unterstützt.

So geht es der Bevölkerung im Iran

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Politologin Saghi Gholipour ist Mitgründerin der Organisation «Free Iran Switzerland». Sie und ihre Familie flüchteten in den 80er-Jahren vor dem Regime im Iran. Gholipour zeigt sich in der «Arena» erschüttert über das Ausmass der Proteste: «So etwas haben wir noch nie gesehen. So viele Menschen, die so klar sagen, dass sie das Regime nicht mehr möchten, das ist eine Neuheit.»

Weil das Internet im Iran gesperrt sei, erhalte sie im Moment nur tröpfchenweise Informationen, so Gholipour. Was sie von ihren Bekannten im Iran mitbekomme, sei allerdings verstörend: «Das Regime geht mit grösster Brutalität vor, der Bevölkerung geht es miserabel.» Es gebe kein Überleben für die iranische Bevölkerung in diesem System.

Von der Schweiz erwartet Gholipour unter anderem, dass sie personalisierte Sanktionen gegen jene ergreift, die «an den Schalthebeln der Macht sitzen». Zudem müsse die Revolutionsgarde als Terrororganisation eingestuft werden.

Arena, 16.01.2025, 22:25 Uhr

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