Laura Vogt: Was uns betrifft

Mit welchen Brüchen und Umwälzungen eine moderne junge Frau konfrontiert wird, wenn sie Mutter wird, das spielt Laura Vogt in ihrem Roman am Beispiel von drei Frauen radikal und meisterhaft durch. Wir sprechen mit ihr über Rollenbilder, Grenzüberschreitungen und den Kampf für das Eigene.

Porträt einer jungen Frau
Bildlegende: Amanda Züst

Das «Uns» im Titel bezieht sich auf Verena und ihre beiden erwachsenen Töchter Rahel und Fenna. Es bezieht sich aber auch auf die verschiedenen Männer und Väter, auf die Kinder und Enkel. Kurzum: Es geht um die Familie als Gegenpol zu individuellen Ansprüchen.

«Was uns betrifft» erzählt vom Zusammenleben unter der Prämisse eines Kindes. Schnörkellos und glaubhaft, dicht und melancholisch zeichnet Laura Vogt auf, wie sich Individualismus und Mutterschaft reiben, wie Befreiung und Abhängigkeit zusammengehören. Vogt scheut sich nicht, den Pfad des politisch korrekten Emanzipationsdiskurses zu verlassen. Väter mögen verschwinden, Männer mögen gewalttätig oder allzu nachgiebig sein. Aber nicht die Anklage interessiert Vogt. Da findet sich kein Männerhass. Männer sind hier mitgemeint, aber nicht die Hauptdarsteller. Vielmehr geht es um die Frage: Wie kann frau unter diesen Bedingungen die Oberhand für das eigene Leben gewinnen? Für diese Frage bohrt Laura Vogt tief und ehrlich und ohne falsche Rücksichten. Ein bemerkenswertes Buch, insbesondere Männern empfohlen.

Buchhinweis:
Laura Vogt. Was uns betrifft. Zytglogge, 2020.

Autor/in: Markus Gasser