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Neue Epstein-Files Wie wühlt man sich durch diese Aktenberge?

Wie sichtet man drei Millionen Papierseiten, circa 180’000 Fotos und 2000 Videos? Die Arbeit mit den neuen Epstein-Akten läuft, auch drei Tage nach der Veröffentlichung. Daniel Laufer ist einer der Journalisten und Journalistinnen, die sich hands-on mit den Files beschäftigen. Als Teil des Recherchenetzwerks «Paper Trail Media» versucht er aktuell, sich einen Überblick zu verschaffen.

Daniel Laufer

Investigativjournalist

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Daniel Laufer ist freier Journalist und spezialisiert auf investigative Recherchen. Er gehört zum Reporternetzwerk «Paper Trail Media». (Bildquelle: Wikimedia Commons/Sebastian Wallroth)

SRF: Wie wühlt man sich durch diese Aktenberge?

Daniel Laufer: Man muss erst einmal einen Punkt finden, an dem man anfängt. Es sind schlicht und einfach wahnsinnig viele Daten. Man muss sich deshalb vorbereiten. Wenn man keine Vorstellung davon hat, was man eigentlich sucht, dann steht man quasi vor dem Heuhaufen und weiss noch nicht einmal, wie die Nadel aussieht.

Wie haben Sie das denn gemacht – wie haben Sie den Anfangspunkt gefunden?

Man versucht – wie bei anderen Recherchen auch – mit Thesen zu arbeiten. Das heisst, man überlegt sich: Welcher Name könnte in den Akten auftauchen? Bei wem gab es in der Vergangenheit Anzeichen, dass die Person in der ein oder anderen Form mit Jeffrey Epstein in Verbindung stand? Das wäre eine Möglichkeit. Natürlich kann man auch auf die Masse gehen und eine grosse Liste mit Namen maschinell durch die Akten durchschiessen. So gesehen lässt sich einiges optimieren, aber letztendlich muss man auch da mit einer Liste anfangen: von Personen, möglicherweise auch von Orten.

Wie kann man sich die Arbeit in diesem Recherchenetzwerk konkret vorstellen? Drucken Sie sich einen Teil der Akten auch aus? Sind Sie da rund um die Uhr miteinander verbunden?

Jetzt übers Wochenende waren wir alle zu Hause. Aber man ist natürlich miteinander verbunden, vor dem Computer. Ich habe sehr viel Zeit damit verbracht, PDF-Dateien, Emails und dergleichen zu lesen.

Am Ende liest man auch vieles, das überhaupt nicht wichtig ist.

Dabei mache ich mir Notizen, und ich tausche mich natürlich mit den anderen aus, nach dem Motto: «Diese Spur hier, ist das was?» Das ist alles sehr kleinteilig und zeitintensiv. Am Ende liest man auch sehr, sehr vieles, das überhaupt nicht wichtig ist.

Wir bekommen jetzt viele einzelne Puzzleteile präsentiert, über Personen, die mit Epstein in Kontakt standen. Sehen Sie schon so etwas wie ein Gesamtbild?

Bei dem Datensatz, der am Freitag veröffentlicht wurde, reden wir von mehr als drei Millionen Dateien. Das ist eine ganz andere Dimension als das, was bei der letzten Runde kurz vor Weihnachten veröffentlicht wurde.

Ich habe das Gefühl, das US-Justizministerium erschwert es uns gerade zusätzlich, die Akten auszuwerten.

Damals waren wir noch in der Lage, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen wirklich jede einzelne Datei zu sichten. Jetzt gibt es eben diese Datenpakete, die man gar nicht mehr ohne Weiteres runterladen und auswerten kann. Ich habe das Gefühl, das US-Justizministerium erschwert es uns gerade zusätzlich, die Akten auszuwerten. Man müsste im Prinzip diese drei Millionen Dateien entweder einzeln herunterladen – oder man müsste sie direkt auf dem Server des Justizministeriums durchsuchen, was ebenfalls sehr, sehr langsam vonstatten geht. Das macht es aktuell schwer, etwas zum Gesamtbild zu sagen.

Das Gesamtbild bleibt bisher also diffus. Denken Sie, das wird sich ändern?

Vielleicht wird sich nie das letzte Puzzleteil zuordnen lassen. Aber es wird mit Sicherheit noch einiges bekannt werden, je weiter diese Daten ausgewertet werden.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

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SRF 4 News, 2.2.2026, 16:31 Uhr ; 

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