Die Faktencheckerinnen und Faktenchecker von SRF schauen sich diese Woche Einsendungen des Publikums an. In diesem Artikel finden Sie unsere Ergebnisse und weitere Recherchen. Sind Sie bei einem Thema selbst nicht sicher oder haben Sie ein merkwürdiges Video entdeckt? Dann schreiben Sie uns hier Ihre Anfrage.
Anschlag am Bondi Beach
Am 14. Dezember 2025 kam es in Australien am bekannten Bondi Beach in Sydney zu einem Terroranschlag. 16 Menschen kamen ums Leben – darunter einer der beiden Attentäter. Nach dem Ereignis kursierten bald viele Videos im Netz. Das Netzwerk Faktencheck von SRF verifizierte unter anderem für die Tagesschau Aufnahmen. Mehr dazu im Video:
Schweizer Sanktionen gegen Russland
Eine Person aus dem Publikum hat gehört, dass angeblich der Bundesrat alle Sanktionen gegen Russland aufgehoben habe. Zudem seien alle gesperrten Gelder wieder freigegeben. Stimmt das?
Informationen dazu haben wir beim Staatssekretariat für Wirtschaft Seco gefunden. Auf der Website gibt es eine Sammlung mit den wichtigsten Fragen und Antworten zu den Sanktionen gegen Russland. Dort ist die «Verordnung über Massnahmen im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine» verlinkt. Sie ist derzeit in Kraft. In der Fragensammlung ist auch der Betrag der in der Schweiz gesperrten Vermögenswerte vermerkt.
Laut einer Medienmitteilung vom Dezember 2025 hat der Bundesrat die Sanktionslisten betreffend Russland und Belarus ausgeweitet. Demnach sind damit diverse Änderungen des 19. EU-Sanktionspakets übernommen worden. Aus dieser Medienmitteilung geht hervor, dass weitere natürliche Personen, Unternehmen und Organisationen der Vermögenssperre und dem Bereitstellungsverbot unterstellt wurden.
Trump läuft auf KI-Bild neben Pinguin
Derzeit sorgt ein weiteres KI-generiertes Bild von US-Präsident Donald Trump für Diskussionen. Das Bild zeigt ihn an der Seite eines Pinguins, der eine US-Flagge trägt. In den Bergen im Hintergrund ist eine Grönland-Flagge zu sehen. Das Weisse Haus hat das Bild auf X gestellt. Offensichtlich verbildlicht das Motiv Trumps Grönland-Anspruch. Über dem Bild heisst es im Eintrag auf X: «Embrace the penguin.» Das kann als Aufruf verstanden werden, sich mit der Botschaft des Bildes zu identifizieren.
Auf dem Bild gibt es einen geografischen Fehler: Pinguine sind ausschliesslich auf der Südhalbkugel beheimatet und kommen somit nicht in Grönland vor. Dieser Umstand macht das Bild, obwohl offensichtlich eine Fälschung, dennoch bemerkenswert, da es die Wahrnehmung verzerren kann.
Die Inspiration für das Pinguin-Motiv stammt aus einem Meme, das auf Werner Herzogs Dokumentarfilm «Begegnungen am Ende der Welt» (2007) basiert. In diesem Film verlässt ein Adeliepinguin seine Kolonie, um ins antarktische Hinterland zu marschieren, was als Gang in den sicheren Tod interpretiert wird.
Kuh Veronika und ihr Werkzeuggebrauch
Über die Kuh Veronika, die sich mit Werkzeugen kratzen kann, wurde medial breit berichtet, auch in vertrauenswürdigen und seriösen Medien. SRF publizierte dazu ein Interview mit der Studienautorin Alice Auersperg. Trotzdem erreichten SRF einige Zuschriften mit der Frage, ob diese Meldung wirklich echt ist.
Die Recherche nach der Studienautorin Alice Auersperg und dem Studienautor Antonio José Osuna-Mascaró ergab, dass beide zum Team der Vergleichenden Kognitionsforschung am Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien gehören. Das ist die einzige veterinärmedizinische, akademische Bildungs- und Forschungsstätte Österreichs.
Die Studie findet man frei zugänglich online auf ScienceDirect:
Die in der Studie verlinkten Videos wirken beim Anschauen echt und detailgetreu. Der Hintergrund ist nicht verschwommen, Strassenschilder sind gut sichtbar und leserlich. Zudem stimmen die Nummern der gelben Ohrmarken von Veronika in den Ausschnitten, in denen die Nummern lesbar sind, überein.
Screenshot zum tödlichen Einsatz von US-Beamten in Minneapolis
Im US-amerikanischen Minneapolis ist am Samstag ein Mann von Bundesbeamten erschossen worden. Ein Screenshot eines Augenzeugenvideos wird im Netz derzeit besonders verbreitet. Das Netzwerk Faktencheck von SRF hat sich das Bild genauer angeschaut. Inzwischen gibt es sogar mit KI überarbeitete Versionen, die in die Irre führen können. Mehr dazu im folgenden Artikel:
Weisses Haus postet manipuliertes Bild einer Bürgerrechtsaktivistin
Am 22. Januar hat das Weisse Haus auf X ein manipuliertes Bild veröffentlicht, das die Festnahme der US-Bürgerrechtsaktivistin Nekima Levy Armstrong zeigt. Auf der Aufnahme wirkt die Frau emotional aufgelöst, ihr Gesicht ist tränenüberströmt. Doch so hat sich die Situation nicht zugetragen.
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Bild 1 von 2. Dieses manipulierte Bild teilte das Weisse Haus am 22. Januar auf X. Bildquelle: X/WhiteHouse.
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Bild 2 von 2. Eine ursprüngliche Version des Bildes hat die US-Ministerin für Innere Sicherheit, Kristi Noem, auf X hochgeladen. Bildquelle: X/Sec_Noem.
Eine erste, andere Version des Bildes hatte die US-Ministerin für Innere Sicherheit, Kristi Noem, nur eine halbe Stunde zuvor auf X hochgeladen. Auf dieser Aufnahme wirkt Armstrong ruhig und gefasst. Abgesehen vom Gesicht ist die Szene deckungsgleich. Dieses Bild wurde manipuliert, damit es so aussieht, als würde Armstrong weinen – zudem erscheint ihre Haut dunkler als in der ursprünglichen Aufnahme.
Angesprochen auf die Manipulation hat das Weisse Haus gegenüber Nachrichtenagenturen die Überarbeitung nicht abgestritten. Der stellvertretende Kommunikationsdirektor im Weissen Haus, Kaelan Dorr, schrieb auf X, die Durchsetzung des Gesetzes werde fortgesetzt – und «die Memes» ebenfalls.
Fake-Artikel lockt mit betrügerischen Investitionsversprechen
Eine Person aus dem Publikum macht uns auf eine reisserische Schlagzeile über einen angeblichen Skandal in der SRF-Gesprächssendung «Gredig Direkt» mit Stargast DJ Antoine aufmerksam. Doch was auf den ersten Blick wie ein brisanter Online-Artikel aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als raffinierte Betrugsmasche.
In diesem Fall führt eine reisserische Werbeanzeige auf einen Artikel, der dem Online-Auftritt von «Blick.ch» zum Verwechseln ähnlich sieht. Layout, Schriftart und Logo wirken echt. Selbst die angegebene Autorin arbeitet tatsächlich als Journalistin bei der Zeitung. Doch der Schein trügt.
Erst die Adressleiste entlarvt den Betrug: Statt «blick.ch» steht dort «blikcc.com» – ein Detail, das im Alltag schnell übersehen wird. Auch die Navigation der Seite funktioniert nicht: Links zu anderen Artikeln oder zur Hauptseite sind inaktiv.
Im gefälschten Artikel geht es darum, dass DJ Antoine mit einer Investitionsplattform angeblich sein Vermögen aufgebaut haben soll. Der SRF-Moderator Urs Gredig versucht laut dem Fake-Artikel direkt selbst sein Glück – wohl, um die Neugier der Leserschaft zu wecken.
Der Artikel wird mit täuschend echten Screenshots aus dem Studio illustriert. Setting und Logo sind originalgetreu. Doch auch hier entlarven Details die Fälschung: Urs Gredig trägt auf den Bildern beispielsweise deutlich kürzere Haare als aktuell.
Solche Betrugsmaschen missbrauchen die Gesichter bekannter Persönlichkeiten und klonen ganze Webseiten, um Vertrauen beim Publikum aufzubauen. Die Aufmachung wird immer professioneller, und oft sind es nur noch kleine Details, die diese betrügerischen Werbeanzeigen entlarven. Es sind Details, die im schnellen Scroll-Tempo des Alltags leicht übersehen werden.
Waldbrände in Patagonien wegen mutmasslicher Brandstiftung
In Argentinien haben Waldbrände grosse Zerstörung angerichtet. In diesem Zusammenhang kursieren auch zahlreiche Spekulationen. Eine Anfrage thematisiert Behauptungen in den Sozialen Medien, wonach die Brände mutwillig von Zionistinnen oder Zionisten gelegt worden seien. Als Begründung wird angeführt, dass der argentinische Präsident Milei ein Unterstützer Israels sei und kürzlich Regulierungen zum Grundbesitz nach Waldbränden gelockert habe. Zudem wird in einigen Videos die historische Diskussion um Patagonien als möglichen Ort für einen jüdischen Staat angeführt.
Es ist wahrscheinlich, dass die Feuer absichtlich gelegt wurden. Wer jedoch für die mögliche Brandstiftung verantwortlich ist, ist unklar. Interessanterweise wurden neben Israelis auch die indigenen Mapuche verdächtigt – für beide Behauptungen gibt es keine Grundlage.
Die Behauptungen in den Sozialen Medien greifen einen historischen Punkt auf: Es stimmt, dass Theodor Herzl in seinem Werk «Der Judenstaat» (1896) neben Palästina auch Argentinien als mögliche Heimat für die jüdische Bevölkerung vorgeschlagen hat. Doch hier endet die historische Korrektheit. Der sogenannte «Plan Andinia» ist eine antisemitische Verschwörungstheorie, die in den 1970er-Jahren ihren Ursprung hat. Die vermeintliche Gründung eines zweiten jüdischen Staates in Patagonien wurde zuerst vom antisemitischen Politiker Walter Beveraggi Allende propagiert und später von der argentinischen Militärdiktatur (1976–1983) aufgegriffen. Es gibt keinerlei Belege dafür, dass dies eine organisierte Aktion innerhalb zionistischer Bewegungen ist oder war, um an Land zu kommen.
In den Sozialen Medien wird auch eine israelische Organisation namens «Backpackers without Borders» mit den Bränden in Zusammenhang gebracht. Dies scheint nicht der offizielle Name der Organisation zu sein. Vermutlich handelt es sich um die NGO «Heroes for Life», die 2013 von drei Offizieren der israelischen Armee IDF gegründet wurde. Belege für eine Verbindung zu den Waldbränden gibt es aber nicht.
Die Behauptungen, dass Waldbrände in Patagonien bewusst von Zionistinnen und Zionisten herbeigeführt wurden, basieren auf einer Mischung aus historischen Halbwahrheiten und einer klar identifizierbaren antisemitischen Verschwörungstheorie.
Video zeigt Schüsse bei Protest in Teheran
Derzeit erreichen SRF regelmässig Videos zu den Massenprotesten im Iran. Ein – nur verschwommenes – Video dazu soll angeblich eine Demonstration in der iranischen Hauptstadt Teheran zeigen. Im Hintergrund sind Schüsse zu hören. Die Frage: Stammt das Video tatsächlich aus Teheran?
Wichtige Anhaltspunkte für das Faktencheck-Team sind die markanten Gebäude an den Bildrändern. Ausserdem wurde zum Video ein Quartier genannt. Mit Werkzeugen wie Google Streetview haben wir versucht, uns virtuell vor Ort umzusehen und die Gebäude zu finden. Das erwies sich als schwieriger als gedacht.
Für Faktenchecks werden auch verschiedene Informationen vernetzt. Wurden dasselbe oder ähnliche Videos im Internet publiziert? Tatsächlich stiessen wir in Social Media auf dasselbe Video mit weiteren Hinweisen: Bei den Gebäuden handelt es sich um ein Shoppingcenter und eine Schule.
Zwar existieren für die Gegend keine Streetview-Aufnahmen, doch über die Schule fand das Team Fotos der Strasse. So liess sich der Standort des Videos genau bestimmen. Das Netzwerk Faktencheck ist sich ziemlich sicher, dass das Video tatsächlich in Teheran aufgenommen wurde.
Zu betonen ist, dass es aktuell schwierig ist, Inhalte aus dem Iran zu überprüfen. Der iranische Machtapparat hat das Internet blockiert. Dadurch dringen nur wenig Informationen nach aussen.
Die Sammlung wird bis zum 30. Januar 2026 laufend erweitert.